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In Frankreich sind die Arbeitsbedingungen und die Berufsaussichten in der Allgemeinmedizin im Vergleich zu Deutschland paradiesisch. Und zwar sowohl fachlich wie wirtschaftlich.
Auf dieser Seite möchte ich Ihnen dafür einige “Appetizer” geben, die “Lust auf mehr” machen sollen, das heißt, Ihnen kurz andeuten sollen, warum eine Zukunft als Arzt in Frankreich auch für SIE interessant sein könnte. Auf den nachgeordneten Seiten finden Sie weitere Informationen zum Verdienst, zu Praxisvertretungen (eine sehr häufige und lukrative Tätigkeit hierzulande) und zu medizinischen Hilfsberufen wie Krankenschwestern sowie Dingen wie Buchführung und Steuern hier.
Da ich von 2001- 2006 (mit Unterbrechung) selber als Praxisvertreter gearbeitet habe -und dies vor allem der beste “Einstieg” in Frankreich ist, berichte ich naturgemäß viel darüber: wie ein Vertrag aussieht hier , wie man übers Internet Vertretungen finden kann hier und wie die Übergabe zwischen Praxisinhaber und Vertreter aussieht hier Außerdem Erfahrungsberichte aus einigen meiner Vertretungen hier . Seit Januar 2007 bin ich in eigener Praxis mehr niedergelassen und darum finden sich hier auch einige Informationen zur Praxisgründung.
Wenn Sie hier arbeiten wollen, müssen Sie die Sprache kennen ... die Fachsprache, nicht nur Touristen- französisch. Ich habe Ihnen hier die gebräuchlichen französischen Bezeichnungen für Laboruntersu- chungen zusammengestellt - damit Sie die auch verschreiben können !
Nur einige Daten zur Allgemeinmedizin: Sie haben als niedergelassener Arzt viel mehr Zeit für die Patienten als in Deutschland. Genaugenommen haben Sie soviel Zeit wie Sie in der Allgemeinmedizin auch brauchen, in der ja je nach Studie zwischen 30 und 70% der Behandlungsanläße psychische Ursachen haben sollen. Ein französischer Allgemeinmediziner sieht etwa 3 bis 5 Patienten pro Stunde. Im Mittel wird für Patient von den meisten Kollegen wohl eine Viertelstunde gerechnet, einige vergeben Termine auch nur im 20-Minuten-Takt. In Stoßzeiten, besonders wenn für eine bestimmte Tageszeit (9:00 bis 12:00 beispielsweise) keine Termine vergeben wurden, können es auch mehr sein, vor allem, wenn gerade eine Atemwegs- oder Durchfallerkrankungswelle grassiert. Die 4-Minuten-Medizin wie in Deutschland wäre in Frankreich undenkbar, wirklich undenkbar. Was mich betrifft, möchte ich schon voll und ganz aus diesem Grunde mich nicht in Deutschland niederlassen. Ich halte mich nicht für besser als andere Kollegen, aber ich möchte nicht meine Patienten so abfertigen müssen, wie ich es in Deutschland müßte. Sie wissen selber, daß bereits fachlich eine solche Eile schlichtweg kontraproduktiv ist, besonders in der Allgemeinmedizin und nicht nur bei psychischen Störungen. Bei allen chronischen Erkrankungen ist Patientenschulung und -information DIE Säule der Therapie. Und auch sonst kann es nie schaden, wenn der Patient weiß, was er warum bekommt. Wieviel Patienten nehmen ihre Medikamente aufgrund unverstandener, falsch verstandener -oder gar nicht gegebener- Information nicht richtig ein ? Und wieviele Folgekosten verursacht das ? Wenn Sie als Allgemeinmediziner hier 20 Patienten pro Tag sehen, haben sie eine gutgehende Praxis, ab 30 wird die Sache -für hiesige Begriffe- schon zur starken Belastung und ab 50 Patienten täglich (was immerhin vorkommt, hatte ich auch einige Male, namentlich wenn ich ein Arztehepaar vertreten habe) zur furchtbaren Schinderei, die sich obendrein nicht lohnt, da von den dann etwa 250 000 Euro pro Jahr Bruttoeinnahmen ein überproportional gestiegener Anteil von den Steuern gefressen wird... (man rutscht sehr rasch in die Steuerklasse 40%, so daß von jedem Euro die Hälfte zum Fiskus geht - ich selber war während meiner Zeit als Vertreter mit etwa 25 000 Euro steuerpflichtigem Einkommen als Lediger schon knapp in der Klasse 30% bzw. damals noch 38%).
Wesentliche Ursache hierfür ist die französische Gebührenordnung (und bereits ein weiterer Grund an sich, nach Frankreich zu gehen !). Grundsätzlich bezahlt ein Patient direkt am Ende der Consultation und zwar in den allermeisten Fällen eine Pauschale in Höhe von derzeit 22.- Euro. Er erhält im Gegenzug eine Art Quittung (das “feuille de soins”), die er dann bei der staatlichen Krankenkasse CPAM (“Caisse primaire d’assurance maladie”) einreicht -es gibt im wesentlichen nur eine in ganz Frankreich, ausgenommen einige Spezialkassen für Bergwerksarbeiter, Soldaten oder bestimmte Beamte und die ihm das Geld in den folgenden Monaten erstatten wird. In wenigstens 9 von 10 Fällen wird diese Pauschale von 22.- Euro abgerechnet, allerdings gibt es eine Anzahl von Sondertarifen für EKG-Schreiben, ambulantes Operieren und ähnliches. Patienten mit sehr niedrigen finanziellen Ressourcen sind seit einigen Jahren von dieser Vorauszahlungspflicht bezahlt; sie unterschreiben das feuille de soins und der Arzt leitet es an die Kasse -jeweils die CPAM des Département des Wohnortes des Patienten- weiter, die ihn dann direkt entlohnt. Näheres zum “Verdienst” findet sich hier . Es liegt in der Natur der Sache, daß der Arzt für denselben Betrag mal länger, mal kürzer arbeitet; man geht aber davon aus, daß sich im “Mittel” ein ausgeglichenes Verhältnis einstellen wird: derselbe Patient benötigt mal bis zu einer Dreiviertelstunde Aufmerksamkeit und ist dafür ein anderes Mal nach 10 Minuten wieder ‘draußen. Ein immenser Vorteil ist der sehr niedrige Verwaltungsaufwand (kein Aufrechnen von “Punkten”, die am Trimesterende der Kasse eingereicht werden, die irgendwann bezahlen wird, oder auch nicht - kenne das alles ja nur vom Hörensagen), sondern am Abend hat man in seiner Kasse den Ertrag des Tages, teils in bar, teils in Cheques (bezahlen in Cheques ist in Frankreich sehr weit verbreitet) oder, wenn man “modern” ist, hat der Patient mit Kreditkarte und in der Praxis vorhandenem Kartenlesegerät bezahlt. Die einzige Verwaltungsverpflichtung ist die buchhalterische Registrierung der Tageseinnahmen: es muß irgendwo notiert werden, welcher Patient wieviel bezahlt hat. Das übernimmt aber meistens das Computerprogramm; nach Beendigung einer Consultation “klickt” man auf den abgerechneten Tarif.
Weiterhin besteht in Frankreich Ärztemangel, vor allem in ländlichen Gebieten, aber auch schon in vielen Kleinstädten und zwar nicht unbedingt solchen, die als Lebensort völlig unattraktiv sind. Von Niederlassungssperren hat hier noch nie jemand gehört - das heißt, Sie können sich überall niederlassen, wo Sie wollen. Punkt. Sie fahren zwar besser damit, wenn Sie nicht gerade das Stadtzentrum von Paris oder Lyon oder einen der Orte der Mittelmeerküste wählen, aber niemand hindert Sie daran. Niemand. (Auch wenn es in neuerer Zeit dahingehende politische Bestrebungen gibt). Viele Bürgermeistereien suchen händeringend nach einem Arzt für ihr Dorf; in der Not verfällt man auf allerlei Ideen, eine Niederlassung schmackhaft zu machen, z.B. die Bereitstellung von Praxisräumen - gratis, versteht sich. Sie finden solche Orte beispielsweise anhand von Anzeigen, die diese in Zeitschriften für Allgemeinmedizin aufgeben. Ach ja, natürlich sind die Öffnungszeiten grundsätzlich völlig frei. Wenn Sie nur einmal wöchentlich eine Stunde aufmachen wollen, es hindert Sie niemand ... tut natürlich keiner, man will ja sich um seine Patienten auch vernünftig kümmern bzw. die würden dann wohl doch woanders hingehen. Aber grundsätzlich: Montagmorgen, Freitagnachmittag und den ganzen Donnerstag nicht arbeiten ? Kein Problem. Kleiner Wehrmutstropfen: es ist in Frankreich üblich, daß die Praxen auch am Samstag-Vormittag offen sind, das ist kein Witz und keine Übertreibung.
Praxen kosten erheblich weniger in Einrichtung und Unterhalt. Der Beruf der Arzthelferin ist in Frankreich gänzlich unbekannt, es gibt ihn nicht (die Zahnarzthelferin gibt es, aber nicht wie in Deutschland: es ist kein so strikt staatlich kontrollierter Lehrberuf, sondern wer will wird bei einem Dentisten angeheuert und angelernt und muß dazu während zwei Jahren einen Tag pro Woche -meist am Samstag- einen Kurs besuchen ... eine eigentliche staatliche Prüfung gibt es aber nicht). Eine Praxis sind zwei Zimmer: in einem sitzen Sie, im anderen die Patienten, jedenfalls solange sie warten. Es gibt keine baupolizeilichen oder anderen Vorschriften über die Praxiseinrichtung etc.. Wenn das Telephon klingelt, gehen Sie selber ‘dran, einen Verband oder eine Blutabnahme machen sie selber. Einzige Angestellte, die Sie normalerweise haben, ist eine Reinmachefrau. Größere Praxen, das sind in der Regel Gemeinschaftspraxen mehrerer niedergelassener Ärzte, haben im allgemeinen eine Sekretärin. Das ist nur eine Sekretärin, sie macht keine “medizinischen” Dinge, sie nimmt kein Blut ab, mißt nicht den Blutdruck, legt keinen Verband an -nichteinmal ein Pflaster- und assistiert auch nicht bei Operationen. Immerhin gibt es Krankenschwestern wie in Deutschland, in freier Praxis - wahrscheinlich sogar mehr als in D.
Ich hatte für mich berechnet, wieviel Geld ich für eine eigene Praxis benötigen würde und bin einschließlich Computer, Praxisprogramm (das kostet !) und Mobiliar aber ohne eventuelle Umbauten bzw. Hauskauf auf etwa 15 000.- Euro gekommen - und als ich mich niedergelassen habe, bin ich mit dieser Summe tatsächlich ausgekommen. Keine Angst vor Grundstücks- und Häuserpreisen: für die meisten Gegenden Frankreichs (ausgenommen sind das Mittelmeer und das Elsaß) können Sie die in Deutschland üblichen Preise durch 3 teilen. Ich habe 2005 in einem respektablen Dorf (mit Supermarkt, Postamt und Apotheke) etwa 40 km nördlich der Großstadt Nantes (durch eine vierspurige Schnellstraße nur eine gute halbe Stunde Fahrt) eine Anzeige gesehen für ein Haus mit Garten und Anbau, Mieter im Haus für 80 000.- Euro gesehen. In Nantes selber bekamen Sie 2005 für 80 000.- Euro eine respektable 2-Zimmer-Wohnung oder mit ein bißchen Glück eine 3-Zimmer-Wohnung, vielleicht nicht in allerbester Lage. Weiter weg von den Großstädten sind diese Preise noch günstiger.
Wenn Sie auf dem Land oder einer Kleinstadt niedergelassen sind, haben Sie noch einen weiteren -wie ich finde- Vorteil: Sie haben ein viel weiteres Spektrum an Krankheiten zu behandeln, als Sie es in Deutschland oder in der Stadt hätten. Kinder- und Frauenheilkunde gehören da selbstverständlich dazu. (Das war und ist für mich, nebenbei bemerkt, nicht einfach. Bis heute traue ich mir beispielsweise die Überwachung einer Schwangerschaft nicht zu). Ursache dafür ist der Fachärztemangel. Es gibt zwar Kinder- und Frauenärzte, die sind aber so überlastet (was Wartezeiten von einigen Wochen bedeutet, ehe man einen Termin bekommt), daß für die kleineren alltäglichen Dinge wie Impfungen oder banale Infektionen bei Kindern, Harnwegsinfektionen, Vaginitiden oder Menstruationsbeschwerden der Gang zum Hausarzt um die Ecke vorgezogen wird. Die Verantwortung ist natürlich auch höher und die Erfordernisse an das eigene Können auch, das ist wahr, aber es macht auch mehr Freude, Arzt und nicht Formularausfüller zu sein.
Testen und lernen können (und sollten !) Sie das, indem sie einige Jahre Praxisvertretungen machen mehr
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