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Brief an Dr.Barth

Josef Kardinal Ratzinger schrieb am 23. 6. 2003 folgenden Brief an den bekannten Altphilologen und Autor Dr. Heinz- Lothar Bart in Bonn.

Kardinal Ratzinger sagt, daß "auf Dauer die römische Kirche doch wieder einen einzi- gen römischen Ritus haben muß". "Der Römische Ritus der Zukunft sollte ein einziger Ritus sein", so der Kardinal, "vollständig in der Tradition des überlieferten Ritus".
Der Papst sieht die Defekte der neuen Messe - wie er es auch in vielen anderen seiner Bücher und Schriften geäußert hat. Er scheint eine Reform der Liturgiereform anzustreben.


Sehr geehrter Herr Dr. Barth!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihren Brief vom 6. April, zu dessen Beantwortung ich erst jetzt die Zeit finde. Sie bitten darum, daß ich mich für die erweiterte Zulassung des alten römischen Ritus einsetze. Eigentlich wissen Sie selbst, daß eine solche Bitte bei mir nicht auf taube Ohren stößt, ist doch mein Einsatz für dieses Anliegen inzwischen allgemein bekannt.

Ob der Hl. Stuhl aber den alten Ritus „wieder weltweit und ohne Beschränkung zulassen wird", - wie Sie es wünschen und gerüchteweise gehört haben, - kann nicht ohne weiteres gesagt oder gar bestätigt werden. Zu groß ist doch immer noch bei vielen Katholiken die ihnen jahrelang eingeimpfte Abneigung gegen die traditionelle Liturgie, die sie verächtlich „vorkonziliar" nennen, und auch von Seiten vieler Bischöfe wäre mit erheblichem Widerstand gegen eine allgemeine Wiederzulassung zu rechnen.

Anders sieht es aus, wenn man an eine begrenzte Wiederzulassung denkt: begrenzt ist ja auch die Nachfrage nach der alten Liturgie. Ich weiß, daß ihr Wert natürlich nicht von der Nachfrage abhängt, aber die Frage nach der Zahl der interessierten Priester und Laien spielt dabei doch eine gewisse Rolle. Zudem kann eine solche Maßnahme auch heute noch, erst gut 30 Jahre nach der Einführung der Liturgiereform Papst Paul's VI. nur schrittweise in die Tat umgesetzt werden, jede neue Überstürzung wäre sicher nicht vom Guten.

Ich glaube aber, daß auf Dauer die römische Kirche doch wieder einen einzigen römischen Ritus haben muß; die Existenz von zwei offiziellen Riten ist in der Praxis für die Bischöfe und Priester nur schwer zu „verwalten". Der Römische Ritus der Zukunft sollte ein einziger Ritus sein, auf Latein oder in der Landessprache gefeiert, aber vollständig in der Tradition des überlieferten Ritus stehend; er könnte einige neue Elemente aufnehmen, die sich bewährt haben, wie neue Feste, einige neue Präfationen in der Messe, eine erweiterte Leseordnung - mehr Auswahl als früher, aber nicht zu viel - eine „Oratio fidelium", d.h. eine festgelegte Fürbitt-Litanei nach dem Oremus vor der Opferung, wo sie früher ihren Platz hatte.

Geehrter Herr Dr. Barth, wenn Sie sich in dieser Weise für das Anliegen der Liturgie einsetzen, werden Sie sicher nicht allein stehen, und bereiten die „öffentliche Meinung in der Kirche" auf eventuelle Maßnahmen zugunsten eines erweiterten Gebrauchs der früheren liturgischen Bücher vor. Man sollte aber vorsichtig sein im Wecken von allzu hohen, maximalen Erwartungen bei den traditionsverbundenen Gläubigen.

Ich benutze die Gelegenheit, um Ihnen zu danken für Ihren geschätzten Einsatz zugunsten der Liturgie der römischen Kirche, in Ihren Büchern und Vorträgen, auch wenn ich mir da und dort noch mehr Liebe und Verstehen für das Lehramt von Papst und Bischöfen wünschen würde. Möge der Same, den Sie säen, aufgehen, und viele Frucht tragen für das erneuerte Leben der Kirche, dessen „Quelle und Höhepunkt", ja dessen wahres Herz eben die Liturgie ist und bleiben muß.
Gerne gebe ich Ihnen den erbetenen Segen und bleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr
Josef Cardinal Ratzinger

 

Le 23. 6. 2003, le cardinal RATZINGER a écrit la lettre suivante à Heinz-Lothar BARTH, auteur théologique réputé, docteur ès lettres et maître des conférences à la chaire des lettres classiques de l’université de Bonn.

Le cardinal RATZINGER dit que dans l’avenir l’église romaine doit avoir un seul rite. Le rite romain devra être un seul et unique rite, entièrement dans la tradition du rite classique.

Le cardinal voit les défauts de la Messe nouvelle -il l’a dit très souvent dans ses écritures. Il parait qu’il cherche une réforme de la réforme liturgique.

Très estimé Monsieur le Docteur Barth,

Je vous remercie de votre lettre du 6 avril, à laquelle je ne réponds que maintenant, faute de temps. Vous me demandez de m’engager pour l’autorisation plus élargie du rite romain ancien. Vous savez déjà que j’accueille bien une telle demande, vu que mon engagement dans cette affaire est maintenant connue par tout le monde.

Si le Saint Siège “autorisera le rite ancien de nouveau mondialement et sans limitation” -comme vous le souhaitez et l’avez entendu par rumeur- n’est pas si facile à dire: Trop de catholiques partagent encore une attitude négative -endoctrinée depuis des années- envers la liturgie traditionnelle, laquelle ils appellent orgueilleusement “pré conciliaire”, et beaucoup d’évêques s’opposeraient massivement à une autorisation générale du rite ancien.


La situation est différente si on n’envisage qu’une autorisation limitée; car la demande de la liturgie ancienne est limitée. Je sais que sa valeur ne dépend point de la demande, mais le nombre des prêtres et laïcs intéressés a cependant une certaine importance. En plus, une telle mesure ne peut être réalisée que progressivement aujourd’hui, une 30aine d’années après la réforme liturgique du Pape Paul VI; chaque nouvelle précipitation ne produira pas de bons résultats.

Mais je crois que dans l’avenir l’église romaine ne devra avoir qu’un seul rite; l’existence de deux rites est difficilement “gérable” pour les évêques et les prêtres. Le rite romain de l’avenir devrait être un seul rite, célébré en latin ou en langue populaire, mais basée entièrement dans la tradition du rite ancien; il pourrait intégrer quelques nouveaux éléments qui ont fait leurs preuves, quelques préfaces, des lectures plus larges -plus de choix qu’avant, mais pas trop- une “Oratio fidelium”, cela veut dire une litanie de prières d’intercession après l’Oremus avant l’offertoire, ou est sa place primitive.


Très estimé Dr Barth, si vous vous engagez ainsi pour la question liturgique, vous ne serez pas seul et vous préparez “l’opinion publique de l’église” à des mesures éventuelles en faveur d’un usage plus large des manuels liturgiques anciens. Il faut cependant être prudent quant à l’excitation des espoirs trop grands, maximaux, auprès des fidèles attachés à la tradition.


Je me sers de cette occasion de vous remercier de votre engagement appréciable en faveur de la liturgie de l’église romaine, dans vos livres et conférences, même si je souhaiterais ici et là plus d’amour et compréhension pour le magistère du Pape et des évêques. Que la sémence, que vous semez, grandisse et porte des fruits pour une nouvelle vie renouvelée de l’église, dont la “source et sommet”, son véritable cœur, est et sera cette liturgie.

Je vous donne volontiers la bénédiction demandée par vous, cordialement

Votre
Josef Cardinal RATZINGER
 

Source: www.fsspx.info du 16. 5. 2005
sous l’adresse http://www.fsspx.info/news/news.php?show=172

 

Quelle: www.fsspx.info vom 16. 5. 2005
unter der Adresse http://www.fsspx.info/news/news.php?show=172

Ein Priester Jesu Christi beim Heiligen Meßopfer im klassischen römischen Messritus.
Der Priester tritt stellvertretend für uns .... und für IHN an den Altar um für uns zu beten und zu opfern. Daher wendet er das Gesicht Gott zu und nicht uns.
Welch ein Unterschied zu der wiederlichen Karikatur von Liturgie und Messe, mit der heute die durchschnittliche nachkonziliare Gemeinde ihre Gläubigen abspeist !

Schon vor Jahren hat sich Kardinal Ratzinger in seiner Autobiographie auch über die “Neue Messe” geäußert - lesen Sie es selber ! Die entsprechenden Stellen unten sind rot angestrichen ... aber auch die übrigen Zitate sind lesenswert. Hoffen wir, daß er als Papst verwirklichen kann, was er als Kardinal als richtig erkannt hat !
(Quelle: Joseph Kardinal Ratzinger, Aus meinem Leben. Erinnerungen 1927- 1977, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart)

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Beachten Sie den Widerspruch: erst ist die Rede von “wirklicher Verbesserung und Bereicherung” in vielem, kurz darauf “die Kirchenkrise beruht weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie”.

Hier kann fast jeder lesen, was er will ... allerdings überwiegt doch der Eindruck -besonders unter dem Hintergrund des oben zitierten Briefes an Dr. Barth- daß die positiven Worte nur eine in solchen Texten übliche captatio benevolentiae sind und der Kardinal insgesamt weitgehend die Defizite der Neuen Messe sieht, auch wenn er mit etwas positivem beginnen will..