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Sicherlich ist das größte Hindernis vor einem Neubeginn in Frankreich die fremde Sprache. Wer Glück hat, hat Französisch schon in der Schule gelernt, vielleicht sogar als Leistungskurs oder war ein Jahr im Schüleraustausch in Frankreich (ich hatte dieses Glück nicht). Mein Tip: ehe Sie nach Frankreich gehen, sollten Sie entweder vernünftig Französisch können oder etwas von Medizin verstehen. Beides aufeinmal ist nicht nachzuholen, es sei denn, Sie kommen noch im Studium und sind bereit, ein Jahr ‘dranzuhängen, bis es mit dem Französischen klappt.
Wie in jeder Sprache gibt es auf Französisch Worte, die Einrichtungen oder Dinge bezeichnen, die es in Deutschland so nicht gibt und die darum schlecht übersetzbar sind. Ein französischer Interne ist beispielsweise nicht genau dasselbe, wie ein deutscher Assistenzarzt. Und Auswahlverfahren “concours” kennen wir in Deutschland nicht. Es ist schwierig, diese Worte korrekt zu übersetzen, zumal auf einer Homepage, die auf den Wechsel nach Frankreich vorbereiten soll. Ich habe daher einen “Mittelweg” gewählt: typisch französische und damit schlecht übersetzbare Bezeichnungen wie Concours oder Interne übersetze ich manchmal und verwende an den anderen Stellen das französische Wort im deutschen Text: so lernen Sie es ganz ungezwungen und machen sich mit französischen Eigenheiten vertraut. Die beste Vorbereitung zum Lernen von Französisch ist sicherlich Kenntnis des Lateinischen. Die zweitbeste Vorbereitung sind Englischkenntnisse.
Die Aussprache der Worte ist teilweise schwierig, da es viele Laute im Deutschen nicht gibt, so die Nasale.
Glücklicherweise ist die Schreibweise -anders als im Englischen- in weitesten Grenzen regelmäßig, d.h. die Schreibweise erlaubt, sicher auf die Aussprache zu schließen. Ich persönlich lerne ein französisches Wort am besten, wenn ich es geschrieben sehe, zumindest in den ersten Jahren in Frankreich war es so. Besonders Namen kann ich auch nach 6 Jahren in Frankreich manchmal nur dann aussprechen, wenn ich sie schriftlich habe.
Aber es gibt andere "Lerntypen", die stärker "nachahmend" arbeiten, d.h. sie nehmen ein Wort akustisch auf und können es imitierend wiederholen. Dies ist sicherlich die bessere Art, eine Sprache zu lernen - eine Sprache wird schließlich zuerst gehört und gesprochen und nicht gelesen. Solche "Lerntypen", zu denen häufiger Frauen gehören, lernen oft fast akzentfrei zu sprechen. Leider gehöre ich nicht dazu, so daß mein Akzent immer noch deutlich ist. Meistens hält man mich für einen Engländer, hin- und wieder auch für einen Holländer oder Flamen. Auf "Deutscher" kommen die wenigsten. Ich bin es mittlerweile so gewöhnt, als stolzer Brite angesprochen zu werden, daß ich mich manchmal frage, ob ich nicht wirklich Untertan ihrer Majestät bin. Schließlich kann ich mich ja auch täuschen: es ist wahrscheinlicher, daß sich eine Minderheit irrt als eine große Majorität, zumindest ist das das Prinzip, auf dem Konsensus-Konferenzen und Demokratien beruhen...
Etwa 2/3 aller französischen Worte sind wortgleich oder deutlich erkennbar verwandt mit einem englischen oder einem lateinischen Wort. Die französische Grammatik ist gegenüber dem Latein vereinfacht.
Alle englischen Worte, die auf -el -al -ion -ment -ence -ance enden, existieren in gleicher Bedeutung -nur anderer Aussprache- auf Französisch. Ausnahmen kann man wirklich mit der Lupe suchen.
Wenn man das einmal weiß, ist der Vorteil groß. Beispiele:
association Vereinigung appartement Wohnung différence Unterschied assurance Versicherung.
Eine der ganz wenigen Ausnahmen: combinaison statt combination - die Verwandtschaft bleibt sichtbar.
Einige Beispiele für französische Worte, die einem lateinischen Wort deutlich erkennbar verwandt sind:
sommeil somnus Schlaf oeil oculus Auge os os Knochen cerveau cerebrum Gehirn chanter cantare singen amour amor Liebe Dieu deus Gott gloire gloria Ruhm médecin medicus Arzt militaire miles Soldat mercenaire mercenarius Söldner pleurer plorare weinen rire ridere lachen
Vorsicht bei englischen Fremdwörten, die uns Deutschen "universal" erscheinen ! Ein durchschnittlicher Franzose kennt so elementare Wörter wie "computer" "space shuttle" oder "NATO" nur in ihren französischen Entsprechungen: ordinateur, navette und OTAN. So ist es für nahezu alle englischen Wörter, die sich in die deutsche Sprache integriert haben. Also: Wörterbuch zücken. In ganz wenigen Fällen hat der Volksmund englische Fremdwörter trotzdem übernommen.
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Hoffen Sie nicht, eventuelle Französischlücken mit Englisch auszugleichen. Man kann es nicht deutlich genug sagen: die Kenntnis der Englischen Sprache ist unter Franzosen die große Ausnahme. Auch unter Akademikern. Ich habe zahllose Kollegen kennengelernt, die nicht einmal "Guten Tag" auf Englisch sagen können. Ich übertreibe nicht. Die meisten Ärzte können einen englischen Fachtext nicht lesen. Und die Patienten können gar kein Englisch – Punkt. Die Franzosen sind sich dessen bewußt, nehmen das aber als schicksalhaft "Wir sind nicht begabt für Fremdsprachen". Nun, es gibt interkulturelle psychologische Untersuchungen zu allen Aspekten der Intelligenz, die belegen, daß die Begabungsprofile in allen Völkern dieselben sind. Da wir alle dasselbe Gehirn haben, ist das auch nicht anders zu erwarten (Der Rassismus, der noch bis ins weit ins 19. Jahrhundert ein großes gesellschaftliches Problem war, beruhte teilweise auf der fachlich irrigen und bis dato nie exakten Annahme, bestimmte Menschenrassen seien insgesamt weniger leistungsfähig, körperlich wie intellektuell). Wenn die Franzosen kein Englisch können, dann deswegen, weil ihr Schulsystem eine Katastrophe ist. Das haben mir zahllose französische Freunde selber versichert, viele von ihnen Lehrer. Nach 4 Jahren Griechisch oder Latein können französische Schüler noch keinen Text übersetzen. Jedes Jahr verlassen etwa 10% der Schüler die Schule mit einem Schulabschluß … die nur bessere Analphabeten sind. Und so weiter und so fort. Dafür gibt es mehrere Ursachen: einmal die Verwendung von Ganzwortmethoden; das heißt die Kinder lernen die ersten Worte quasi wie Bilder auswendig, aber nicht, daß sich ein Wort aus Silben aufbaut, die es zuerst zu erkennen gilt. Das gibt zunächst spektakuläre Fortschritte, aber sobald das Gedächtnis mit quasi auswendig gelernten Worten voll ist, kommt der Schiffbruch, da die Kinder nicht erfaßt haben, daß man Worte analysieren muß, um sie zu verstehen. Weitere Hauptursache ist wohl, daß es in den ersten 9 Schuljahren keine dem deutschen System vergleichbare Differenzierung der Schulformen nach dem Leistungsniveau der Kinder gibt. Der Hauptschüler sitzt in derselben Bank wie der Gymnasiast. Als Folge werden die begabteren Kinder chronisch unterfordert – für sie geht es im Schneckentempo voran, während es für die Schwächeren immer noch zu schnell ist. Lernen tun beide Teile nichts. Aus meiner Arbeit in der Kinderpsychiatrie weiß ich, daß das schulische Scheitern von Hochbegabten in Frankreich fast die Regel ist und nicht wie in Deutschland eine zwar häufige, aber immer noch Ausnahme. Zudem gibt es nur Ganztagsschulen, so daß den Kindern, die ab dem 6. Lebensjahr erst um 17:00 aus der Schule kommen, die Zeit für die so wichtige eigene Nacharbeit fehlt. Und eines der Resultate dieses von den ideologisierten Lehrergewerkschaften (“Was nicht alle lernen können darf keiner wissen”, der tiefere Grund ist wohl, das die Ganzwortmethoden in der Grundschule erheblich leichter und angenehmer zu unterrichten sind) blind verteidigten Systems -der durchschnittliche Lehrer nimmt entsprechende neuropsychologische Forschungsergebnise zum Lesenlernen nicht zur Kenntnis, sondern meint vielmehr, die bewährte Methode des Erlernens von Sylben und dann erst von Worten und Texten sei für das Kind zu langweilig (was natürlich stimmt, aber es führt kein Königweg zur Mathematik ...) sind die sehr schwachen Kenntnisse.Vor einigen Jahren haben die Lehrergewerkschaften durch Protestakationen, teilweise auch umgesetzte Drohungen die Abiturarbeiten zu vernichten und schließlich Streiks (Beamte haben in Frankreich Streikrecht und es sind alle beim Staat Angestellten -z.B. Pflegepersonal in staatlichen Spitäler- normalerweise auch unkündbar lebenslang verbeamtet, es gibt also nicht die deutsche Unterscheidung zwischen öffentlichem Dienst mit normalem Arbeitsvertrag und normalen Arbeitnehmerrechtern wie Streik versus unkündbare Beamte ohne Streikrecht überall dort, wo der Staat eine besondere Treue des Betreffenden erwarten muß wie bei der Polizei oder im Schuldienst).
Noch ein weiterer Tip zum Lernen: es gibt auf Französisch nur zwei Geschlechter, die in einer erklecklichen Anzahl von Fällen aus der Endung des Wortes vorhergesagt werden können.
Es sind männlich:
Worte auf –ment (z.B. le gouvernement Regierung) -age (z.B. le visage Gesicht) -eau (z.B. le niveau) -isme (z.B. le catholicisme -in (z.B. le bassin Becken) -el -al
Es sind weiblich:
Worte auf –ion (z.B. la nation) -ence (z.B. la différence Unterschied) -ance (z.B. la ressemblance Ähnlichkeit -ine (z.B. la coquine Schelmin)
Nicht zu vergessen die Wortendungen, die direkt männliche bzw. weibliche Lebewesen anzeigen:
-ien/ienne -teur/trice -at/atte -teur/teuse -er/ère
Ausnahmen gibt es, aber man kann sie an den Fingern abzählen. Wenn Sie die wenigen Ausnahmen gesondert lernen, haben Sie eine sehr nützliche Regel für den Alltag:
une image das Bild la page die Seite la fin das Ende le silence das Schweigen une eau Wasser
Mehr Ausnahmen sind mir bisher nicht eingefallen - ich versichere Ihnen, daß ich diese Liste immer wieder erweitere, wenn mir noch mehr einfallen.
Wann können Sie wirklich gut Französisch ?
Ein einfacher Test: wenn sie nach einem normalen Arbeitstag einen französischen Roman zum "Abschalten" lesen können. Ich sage "zum Abschalten", nicht um noch eine zusätzliche Anstrengung zu machen, das Französisch zu vertiefen. Sie sind in dem Augenblick "gut" in Französisch, wenn sie müde und erschöpft einen französischen Roman "gefühlsmäßig" oder "instinktiv" genauso gerne lesen, wie den deutschen Roman, der daneben auf dem Nachttisch liegt, weil Sie eben so "drin" in der Sprache sind, daß Sie keine zusätzliche Konzentration mehr aufbringen müssen auf Französisch statt auf Deutsch zu lesen. Und bis Sie soweit kommen, das dauert … bei mir war es erst nach 3 Jahren in Frankreich allmählich soweit.
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