Rezension Lehrbuch Evolution

Es gibt jetzt ein organisiertes Netzwerk katholischer evolutionskritischer Naturwissenschaftler:
 Die Studiengemeinschaft Theologie und Biologie
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Wolfgang B. Lindemann, Rezension von Reinhard Junker, Siegfried Scherer (Herausgeber) "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch", 4. völlig neu bearb. Aufl., Weyel Lehrmittelverlag Gießen 1998, Der Fels 7/8 1999, p. 231f (Juli/ August 1999)

 

Im vergangenen Herbst erschien die nunmehr 4. Auflage des Buches "Evolution- Ein kritisches Lehrbuch"auf dem deutschen Büchermarkt.In den Vorauflagen trug das Buch den Titel "Entstehung und Geschichte der Lebewesen".

Dieses Buch wurde von Prof. Dr. Siegfried Scherer, Mikrobiologe an der Universität München und zugleich 1. Vorsitzender der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, und Dr. Reinhard Junker, hauptamtlicher Mitarbeiter bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen unterstützt durch 9 weitere Naturwissenschaftler verschiedenster Fachdisziplinen verfaßt. Es setzt sich aus naturwissenschaftlicher Sicht kritisch auseinander mit den gängigen Vorstellungen zur Entstehung der Lebewesen durch Evolution.

Nach der Evolutionstheorie sollen die ersten lebenden Zellen "von selbst" vor Milliarden Jahren in der "Ursuppe" durch Zusammenlagerung und Interaktion zwischen einfachen organischen Molekülen entstanden sein. In einem anschließenden, Äonen währenden Prozess, sollen sich im blinden Spiel von zufälligen Erbgutänderungen und anschließender Selektion durch "survival of the fittest" allmählich alle heute vorhandenen Lebewesen "entwickelt" haben - einschließlich des Menschen.

Papst Pius XII. hat in seiner Enyklika Humani Generis festgestellt, daß trotz des offenbaren Widerspruchs zwi-schen der Evolutionstheorie und dem Schöpfungsbericht der Genesis der Katholik die Evolutionstheorie für wahr halten könne, wenn nur bestimmte Mindestannahmen bezüglich der Erschaffung des Menschen gewahrt blieben.

Zwar hat die katholische Kirche die Mission, bis ans Ende der Zeiten für die Wahrheit einzutreten, in erster Linie jedoch im Bereich des Glaubens und der Moral. Die Naturwissenschaften sind nicht das eigentliche Feld, auf dem das kirchliche Lehramt tätig werden soll.

Katholische Skepsis gegenüber der Evolutionstheorie basiert nicht auf einem platten Anklammern am Wortsinn einiger Zeilen im Alten Testament, mögen sie auch an einer so zentralen Stelle wie dem Schöpfungsbericht stehen. Vielmehr ist es so, daß in Jesus Christus Gott selber uns Sein Wesen offenbart hat. Im Leben, Sterben und Aufer-stehen Jesu sehen wir, daß Gott barmherzig, gütig, gerecht ist, daß sein Wesen die Liebe ist. Wiederholt berichten die heiligen Evangelien, daß Christus alle Kranken und Leidenden heilte. In der Bergpredigt sagt Er, daß nicht ein kleiner Spatz vom Himmel fiele, ohne daß Gott davon wisse. Es scheint nur schlecht vorstellbar, daß ein solcher Gott bei der Erschaffung der Geschöpfe sich einer Jahrmilliarden währenden Evolution bedient haben sollte, denn Evolution geht notwendig einher mit  Schmerz, Leid und Tod.

Bei  konsequent evolutionistischem Denken wird auch das menschliche Verhalten als evolutionär entstanden ange-sehen. Beispielsweise erscheint dann die Neigung besonders des Mannes, Ehebruch zu begehen, als "Erhöhung der sexuellen Fitness" und "evolutionär sinnvoll" (wer mit mehreren Frauen Kinder zeugt, hat eine größere Chance, seine Gene an spätere Generationen weiterzugeben) . Die traditionelle Lehre vom ursprünglich guten Men-schen, der erst seit dem Sündenfall dem Hang zum Bösen unterliegt, der Konkupiszenz, ist damit unvereinbar.

Die so oft gehörte Behauptung, es sei für den katholischen Glauben gleichgültig, ob Gott die Lebewesen direkt oder durch die Evolution indirekt geschaffen habe, kann daher leider nur als eine oberflächliche Ausflucht angesehen werden. Daß ein Katholik die Evolution für wahr halten kann, ändert nichts daran, daß sie mit dem Glauben nur schlecht vereinbar ist. Eine Analogie vermag das vielleicht zu verdeutlichen: Ein Katholik kann als Soldat an einem Krieg teilnehmen, wie beispielsweise an den NATO-Luftangriffen auf Jugoslawien. Das ändert aber nichts daran, daß insgesamt ein Krieg nur schlecht mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.

Das Anliegen von Scherer und Junker läßt sich mit ihren eigenen Worten so beschreiben: "Das Denken in evolutionären Kategorien hat sich so fest etabliert, daß man grundsätzliche Einwände gar nicht mehr erwartet.... Evolutionskritische Befunde sind, wenn überhaupt, meist nur in spezieller Fachliteratur festgehalten, und erreichen den nicht spezialisierten Leser selten. Daraus ergibt sich ein Hauptanliegen dieses Buches:  Weithin unbekannte Deutungsprobleme und offene Fragen der Evolutionslehre werden systematisch und umfassend thematisiert.".

Es werden sämtliche wichtigen Argumente gegen die Evolutionstheorie angeführt. Darüber hinaus legen die Au-toren Wert auf die Erarbeitung von Alternativmodellen, die die vorhandenen Daten z.B. bzgl. der Fossilüberliefe-rung in einem schöpfungstheoretischen Kontext erklären können.

Im 1. Abschnitt wird erst besprochen, was Naturwissenschaft ist, wie sie methodisch vorgeht und welche Ergeb-nisse sie liefern kann. Dann folgt eine historische Einführung in die Entwicklung des Evolutionsgedankens.

Der folgende Abschnitt behandelt Fragen der Artdefinition und Taxonomie. Es wird das für eine schöpfungstheo-retische Biologie grundlegende Grundtyp-Konzept eingeführt sowie der Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution erläutert.

Ein Grundtyp ist identisch mit einer geschaffenen Art. Er umfaßt alle biologischen Arten, die untereinander direkt oder indirekt durch Kreuzung verbunden sind, z.B. gehören Wolf und Hund zum selben Grundtyp.

Mikroevolution ist Spezialisierung innerhalb eines Grundtyps ohne Entstehung qualitativ neuer Eigenschaften. Züchtung ist ein Beispiel dafür. Solche Spezialisierung ist sinnvoll, damit sich Lebewesen an ändernde Umweltbe-dingungen anpassen können. Sie ist begründet im vorhandenen genetischen "Bauplan" einer Art: Innerhalb gewis-ser Grenzen können Beine länger oder kürzer sein, das Fell dichter oder lockerer, der Lauf schneller oder langsamer oder anderes. Mikroevolution ist streng zu scheiden von Makroevolution, das ist die Enstehung qualitativ neuer Strukturen, z.B. eines Flügels mit Federn anstelle eines Beines. Makroevolution geht einher mit Entstehung neuer Gene - bis heute ist kein Beispiel für echte Makroevolution bekannt, die gängigen Beispiele für "Evolution" sind sämtlich Mikroevolution, das heißt Variationen im Rahmen vorhandener Baupläne.

In den folgenden 4 Abschnitten werden die gängigen evolutionistischen Theorien einer Prüfung unterzogen.

2 Abschnitte sind der "Kausalen Evolutionsforschung" gewidmet, das heißt den Mechanismen, aufgrund derer Evolution ablaufen soll. Es wird versucht zu zeigen, daß die von den meisten zeitgenössischen Biologen angenom-menen Mechanismen nicht ausreichend sind, um Evolution möglich erscheinen zu lassen.

Ein weiterer Abschnitt befaßt sich mit "Ähnlichkeiten". Die Ähnlichkeit von Lebewesen untereinander ist offen-sichtlich; im evolutionistischen Kontext wird sie als Folge gemeinsamer Vorfahren interpretiert. Die meisten heute angenommenen evolutionären Stammbäume beruhen fast völlig auf Ähnlichkeiten, nicht auf Fossilien. Im schöpfungstheoretischen Rahmen wird angenommen, daß die Ähnlichkeit der Lebewesen untereinander auf denselben Schöpfer hinweist - wie z.B. in der Technik Produkte desselben Herstellers untereinander ähnlich sind.

Der letzte dieser 4 Abschnitte, die sich mit den gängigen evolutionären Theorien befassen, behandelt die Fossilien. Nach einer knappen Einführung in die Grundlagen der Paläontologie, der Wissenschaft von den Fossilien, wird untersucht, inwieweit fossile Arten als Vorstufen und Zwischenglieder für heute lebende Arten belegt sind. Der Entstehung der Menschheit ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Schlußfolgerung ist, daß Fossilien bei weitem nicht als Belege für eine Evolution dienen können, weder im Tier- und Pflanzenreich noch bei Menschen.

Ein letzter Abschnitt ist mit "Grenzüberschreitungen" betitelt. Er geht auf das Leib-Seele Problem ein und ver-sucht eine Interpretation der bekannten Daten, besonders der Fossilien, in schöpfungstheoretischem Kontext.

 

Gegenüber den 3 Vorauflagen ist das Buch insgesamt erweitert und verbessert. Geologische Fragestellungen wer-den nur noch insoweit besprochen, als sie für das Verständnis der Fossilüberlieferung notwendig sind. Die in der 3. Auflage noch enthaltenen Erörterungen zum Alter der Erde sind, nach meiner Meinung bedauerlicherweise, in dieser Auflage entfallen.  Das Literaturverzeichnis ist sehr umfangreich und kann für eine weitere Einarbeitung in die Materie dienen.

Von seinem Niveau her ist das Buch auf Personen mit einem gewissen Kenntnisstand und Interesse für Biologie zugeschnitten, beispielsweise Abiturienten oder Studenten und Absolventen naturwissenschaftlicher Studiengänge.

Es sei erwähnt, daß die Studiengemeinschaft Wort und Wissen  zwei andere Publikationsreihen herausbringt, eine für fachliche Laien, eine andere für Fachleute. Dieses Werk steht gewissermaßen in der Mitte zwischen beiden.

Nichtsdestoweniger ist "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" von Aufbau, Gliederung, Formulierung und Abbildungen her didaktisch "Spitzenklasse". Ich habe selten ein so hervorragendes Lehrbuch gesehen.

 

Das Autorenteam setzt sich aus Fachleuten verschiedener Disziplinen zusammen. Das Buch enthält nur sehr wenige eigentlich religiöse Aussagen, da es auf rein naturwissenschaftlicher Ebene argumentieren will. Keine vorgebrachte theologische Aussage ist für einen Katholiken nicht akzeptabel. Bis auf eine Ausnahme sind alle Autoren evangelischer Konfession. Prof. Dr. Roland Süssmuth - nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Politikerin-, der die Unterkapitel über "Mikroevolution bei Bakterien" und "Fossile Mikroorganismen" geschrieben hat, ist traditionsverbundener Katholik und Gläubiger des Stuttgarter Priorates der Priesterbruderschaft St. Petrus.

Dem Buch "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" ist eine weite Verbreitung zu wünschen und es ist zu hoffen, daß vermehrt Katholiken für die Brüchigkeit und Ideologienähe der gängigen evolutionistischen Vorstellungen sensibilisiert werden.

Wolfgang B. Lindemann, Straßburg

 

Reinhard Junker, Siegfried Scherer "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch", 4. völlig neu bearb. Aufl., Weyel Lehrmittelverlag Gießen 1998, 328 Seiten, 425 Abb.   Preis DM 39.80,  ISBN 3-921046-10-6

 

 

Weitere Literatur von katholischen Autoren zum Thema Evolutionskritik:

 

Walter Hoeres "Evolution und Geist. Der Neodarwinismus als Weltanschauung", Respondeo, Eine theologische Schriftenreihe, herausgegeben von Johannes Bökmann, Nr. 4

Daniel Raffard de Brienne "Pour en finir avec l'évolution", Paris 1998, Perrin & Perrin

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(erstellt von Mitarbeitern der Studi- engemeinschaft Wort und Wissen)