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Die Zusammenarbeit mit Krankenschwestern ist eine wichtige Sache - zweifellos.
In Frankreich gibt es viele freiberuflich niedergelassene Krankenschwestern, die so wie wir auch ein “cabinet aufmachen, in dem sie dann alleine oder normalerweise in mit einigen Kolleginnen zusammen tätig. werden.
Da diese infirmières en libéral für meinen Beruf als Selbstständiger wichtiger sind als die Krankenschwestern im Spital, beschränke ich mich zunächst auf einige Informationen über sie.
Ein wichtiger Punkt: die bescheidene Entlohnung und die langen bzw. ungünstigen Arbeitszeiten.
Hin und wieder habe ich in einer Praxis vertreten, an die die Praxis einer Krankenschwester angeschlossen war - nur angeschlossen, mehr nicht. Das heißt, im selben Gebäude befanden sich 2 verschiedene Praxen mit getrennten Eingängen und Warteräumen - die aber dann doch mit einer Tür oder so in Verbindung waren. Bei Gelegenheit habe ich mit solchen IDE (infirmière diplômée d’état) ein bißchen geplaudert.
Was resultiert daraus? Eine Krankenschwester kann einigermaßen leben, wenn sie vor allem Blutabnahmen, Medikamentenvorbereitungen oder Injektionen macht - sofern sie die Patienten in ihr Cabinet kommen lassen kann bzw. sie bei Hausbesuchen nicht zu weite Wege von einem Haus zum anderen hat. Eigentliche Pflege von Liegend- kranken ist außerordentlich unrentabel. Man darf nicht vergessen, dass von den Bruttoeinnahmen etwa die Hälfte für Sozialabgaben, Steuern und Unkosten abgeht. Die Folge ist, dass es sehr schwer ist, Krankenschwestern für häusliche Pflege zu gewinnen. Außerdem herrscht in Frankreich ohnehin Krankenschwesternmangel, da zu wenige ausgebildet werden - man lässt beispielsweise spanische IDE nach Frankreich kommen, alles organisiert, die Krankenhäuser heuern sie direkt in Spanien an.
Teilweise können Krankenpflegehelferinnen (aide-soignante ASH) die Lücke schließen, indem sie namentlich Aufgaben der Grundpflege übernehmen (in Krankenhaus und Altenheim sind die Arbeitsbereiche ohnehin streng getrennt: die ASH macht die Patiententoilette, Hilfe beim Essen etc., die Krankenschwester dagegen Verbände, Injektionen, Blutabnahmen, Infusionen, Medikamentenvorbereitung und -gabe etc. sowie die Visite). Leider können sich ASH nicht selbstständig niederlassen, sondern nur in einer Gemeinschaftspraxis mit einer Krankenschwester - das begrenzt außerordentlich diese Ausweichmöglichkeit.
Ein Problem ist das Komfortdenken der Patienten. Sie finden es normal, dass die Krankenschwester für eine Blutabnahme oder Spritze zu ihnen nach Hause kommt. Und danach gehen sie dann zum Markt einkaufen - wie oft haben mir niedergelassene Krankenschwestern so etwas berichtet. Was mich betrifft, so lehne ich eine Verschreibung “à domicile” für eine Leistung einer Krankenschwester z.B. eine Spritze oder eine Blutabnahme ab, es sei denn, der Patient ist wirklich schwer beeinträchtigt wegen Krankheit und Alter. Viele IDE haben Präsenzzeiten in ihrem Cabinet, zu denen die Leute kommen können und sollen - eine Blutabnahme im Cabinet dauert keine 5 Minuten, ein Hausbesuch mit Anfahrt etc. mindestens 20, und das für einen Unterschied von wenigen Euro.. Außerdem gibt es zuwenig IDE und deswegen muss man die zeitraubenden Hausbesuche für die Patienten aufsparen, die sie wirklich benötigen. Als Vertreter konnte ich mir so eine “harte” Haltung erlauben, als Niedergelassener kann das schon schwieriger werden, da viele Patienten das nicht akzeptieren.
Wichtig ist auch sich in unserem Beruf klarzumachen, dass die Krankenschwester sehr viel ältere und chronisch Kranke oft über Jahre intensiv betreut. Ehe jemand ins Seniorenheim geht, versucht man alles, um ihn noch möglichst lange zu Hause belassen zu können, und dazu gehört auch meist tägliche Medikamentenvorbereitung, Blutdruck- messung, Verbandwechsel (Stichwort: Ulcus cruris), Insulinspritzen und Blutzuckermessung, Hilfe beim Waschen ... auch Samstag und Sonntag; jeden Tag kommt die Arbeitsbiene IDE vorbei. Sie kennt den Patienten viel besser als ich es kann und die Kommunikation mit ihr ist wichtig. Oft gibt es dafür ein eigenes Heft, das beim Patienten ausliegt. Man sollte sich auch klarmachen, dass sie einen engen Zeitplan hat - weniger wegen Überarbeitung, sondern weil zu bestimmten Zeiten eben alle Leute gleichzeitig eine IDE benötigen - morgens beim Aufstehen, eventuell mittags und abends. Da sollte man es ihr leicht machen und sie nicht aufhalten, indem man sie z.B. durch unleserliche oder zu spät ausgestellte Rezepte zum Nachfragen zwingt. Da die IDE so schlecht entlohnt wird, kann sie es sich nicht erlauben, ihr Material selber einzubringen, z.B. beim Verbandwechsel: es ist also alles zu verschreiben; jede Kompresse, jede Dosis Sérum phy, jedes Fläschchen Bétadine Jodlösung (für mich ist das finanziell weniger kritisch und daher finanziere ich meistens Verbände etc., die ich anlege, selber - aber ich erhalte ja auch erheblich mehr bezahlt - und lege weniger Verbände an).
Wenn Sie eine Handlung verschreiben, die jeden Tag zu machen ist, z.B. täglich Verbandswechsel oder täglich BZ- Bestimmung und entsprechende Insulingabe (es empfiehlt sich, aus juristischen Gründen -nicht weil die IDE das nicht wüsste ein kleines Protokoll zu verschreiben: si glycémie >1.5 g/l + 2 U.I. insuline si glycémie 1 - 1.5 g/l même dose d’insuline, si glycémie < 1 g/l - 2 U.I. insuline)), so muss dies gesondert notiert werden: “Faie faire .... par une IDE à domicile tous les jours de la semaine les dimanches et jours fériés inclus”. Wenn nicht ausdrücklich steht “auch Sonn- und Feiertage”, zahlt die CPAM nicht.
Ansonsten kann man bei den Rezepten frei formulieren - man soll zwar möglichst präzise sein, z.B. genau angeben, was im einzelnen bei Wundtoilette und Verbandwechsel zu geschehen hat ... macht aber kein Mensch. “ ...soins de plaie et changement de pansement tous les 2 jours”, das ist alles.
Generell tut man gut daran gerade als Praxisvertreter die Empfehlungen einer Krankenschwester zu befolgen (die meist höflich bescheiden in Frageform formuliert werden, man sollte hier sensibel dafür sein). Jedenfalls als Anfänger - mittlerweile habe ich mich z.B. in die verschiedenen Verbandstypen und Pflegearten für chronische Wunden eingearbeitet und fühle mich firm genug, der IDE gegebenenfalls eine bessere Methode vorzuschlagen. Das ändert nichts daran, dass man aufeinander angewiesen ist und eine IDE auch eine gute Quelle für “Feedback” ist. Ich habe nie versäumt, wenn ich in einer Praxis unter einem Dach mit der einer Krankenschwester vertreten habe und sie also dieselben Patienten sah wie ich auch, diese gründlich auszuhorchen, ob die Patienten mit mir zufrieden waren. Man erhält nur sehr wenig Rückmeldungen, dabei sind diese wirklich Gold wert, wenn man auf eigene Fehler aufmerksam gemacht wird.
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