Die chambre de garde (Dienstzimmer) im Hôpital Saint Jacques in Nantes, meiner letzten Anstellung

So sah ich während eines Bereitschaftsdienstes aus.

Als ich meine AiP- Zeit in Frankreich begonnen habe, musste man nach dem Dienst am nächsten Tag normal weiterarbeiten. Etwas gemildert wurde dies dadurch, dass man einen freien Nachmittag pro Woche hatte, üblicherweise haben wir ihn am Tag nach dem Dienst genommen, so ließ es sich so einigermaßen aushalten.
Dann haben die internes mit einem monatelangen Streik 2001 erreicht, dass man nach einem  Nachtdienst nach Hause gehen darf.

Wird man oft gestört ? Das hängt natürlich vom Krankenhaus ab. In meiner letzten Anstellung im Hôpital Saint Jacques ließ sich das wirklich aushalten - im allgemeinen war der letzte Anruf gegen 21:00 abends und man konnte dann durchschlafen. Ich war in einem Zentrum für Nachsorge und Rehabilitation, was bedeutete, dass es niemals nächtliche Aufnahmen gab: die Patienten kamen immer nach Voranmeldung am Tag. Eine Aufnahme macht viel Arbeit, sicherlich 45 Minuten, auch länger. Dafür gab es eine andere Unannehmlichkeit ... es gab keinen Hintergrunddienst (man glaubt es nicht). Der größte Teil des Krankenhauses war Psychiatrie, und es gab natürlich einen “interne de garde de pychiatrie”, einen psychiatrischen Nachtdienst, der auch einen Psychiater als Hinter- grund hatte. Das Zentrum für Nachsorge sowie eine angegliederte mit zu betreuende geriatrische Abteilung hatten keinen Hintergrund ... allerdings waren unsere therapeutischen Möglichkeiten ohnehin begrenzt: wenn es so ernst wurde, dass man den “Hintergrund” wirklich gebraucht wurde, mußte man ohnehin verlegen, und das geschah auch, in die Notaufnahme des CHU und von dort ging es weiter in entsprechende Akutstationen.

Vorher war ich 1 1/2 Jahre in der Psychiatrie tätig gewesen, auf einer Stelle als Psychiater (und nicht als “somaticien”, d.h. als Allgemeinmediziner, der die “organische” Seite der psychiatrischen Patienten übernahm - darum bekümmern sich die Psychiater hier nämlich nicht). Im Nachtdienst mußte der Diensthabende sowohl die Psychiatrie wie die Organik managen ... es gab auch einen Psychiater in Rufbereitschaft “astreinte” aber wieder keinen “organischen” Hintergrunddienst. Allerdings waren auch hier die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt und bei ernsteren Problemen ging es ‘ab in die Notaufnahme des nahegelegenen CHG (centre hospitalier général).

In den Stellen, die ich vorher hatte, waren dagegen die Dienste fachlich äußerst fordend: in Hagenau war ich in der Gastroenterologie, da aber die Kardiologie zuwenig internes hatte, mussten wir in der Woche -nicht am Wochenende- auch die kardiologische Intensivstation mit betreuen ... allerdings mit einem Kardiologen in Rufbereitschaft, der bereitwillig kam.

Dienste sind mäßig gut bezahlt ... als ich 1999 anfing, gab es für einen Dienst 300.- Francs (45.- Euro), 2005 bekam ich für einen Nachtdienst etwa 75.- Euro. Reich wurde man davon also nicht.

Blick aus dem Dienstzimmer: direkt gegenüber die Großwäscherei, etwas rechts einer der Parkplätze. Man wird begreifen, warum Fahrrad (oder Automobil) für einen Nachtdienst sinnvoll sind ...

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Ein Blick vom Fenster auf die Tür des Dienstzimmers. Am Boden: mein Sack mit Kleidung fahrradtransportfähig ! Es war für mich eine neue Erfahrung, mit dem Fahrrad zum Dienst zu fahren ... und innerhalb des weiträumigen Spitals nachts im Kittel mit dem Fahrrad zum Einsatzort zu gelangen.

Ein moderne, hygienische Nasszelle mit Waschbecken und Wassertoilette (rechts, nicht sichtbar) vervollständigt  das Dienstzimmer.
Unten: der Flur vor dem Dienstzimmer (erste Tür von links) im Internat
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