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Auch Praxisvertretungen laufen in Frankreich ganz anders ab als in Deutschland.
Zunächst einmal sind sie viel häufiger und informeller, besonders in der Allgemeinmedizin. Im allgemeinen verbringt JEDER junge französische Allgemeinmediziner nach dem Abschluss der Weiterbildungszeit vor der eigenen Niederlassung eine Zeit als Vertreter, remplaçant. Man verdient dabei gut und lernt viel. Einige verbringen Jahre als Vertreter, im Extremfall das ganze Leben. Nach Möglichkeit vertritt man immer dieselben 3- 4 Niedergelassenen und handelt mit ihnen die Termine zu Jahresbeginn oder einige Monate im voraus aus, meist für die Schulferien und einige Wochenenden, oft auch regelmäßig einen Tag pro Woche. Die meisten Vertretungen dauern ein oder zwei Wochen.
Schwierigkeiten bzgl. “Kassenzulassung” oder andere bürokratische Hemmnisse gibt es nicht. Man ist Mitglied der Ärztekammer, findet einen niedergelassenen Kollegen, der einen Vertreter braucht -für einen Tag, eine Woche, einen Monat, ein halbes Jahr (z.B. bei Mutterschaftsurlaub), einigt sich über die Konditionen und legt am vorgesehenen Tag los. Nicht einmal ein Vertrag ist in der Realität obligatorisch, obwohl ich wenigstens bei der ersten Vertretung in einer neuen Praxis immer einen Vertrag erbeten und erhalten habe.
Sie können in ganz Frankreich vertreten, es spielt keine Rolle, in welcher Ärztekammer (eine pro Département) Sie Mitglied sind. Hin- und wieder überkam mich das “Fernweh”, und ich habe mir eine Vertretung weit weg gesucht. Natürlich ist es auf Dauer angenehmer, im 50-km-Radius um die eigene Wohnung herum zu vertreten, da man dann abends nach Hause kann.
Praxisvertretungen verlangen aber auch Kenntnisse - nicht nur in der Medizin.
Sie müssen sich bei den richtigen Behörden anmelden.
Sie müssen eine eigene Buchführung haben - auf Französisch natürlich.
Sie müssen eine französische Steuererklärung als Freiberufler abgeben.
Sie müssen mit Aufbau und Abläufen einer französischen Allgemeinmedizinpraxis vertraut sein ... oder werden.
Sie müssen eine eigene medizinische Ausrüstung haben: Stichwort “Arzttasche”.
Sie müssen diverse Gesetze und Reglementationen kennen, z.B. für ärztliche Atteste.
Sie müssen günstige Praxisvertretungen finden und einen Vertrag abschließen.
Viele Informationen finden sich auch auf den Internetseiten verschiedenster Institutionen.
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