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Der Massenabfall von Gläubigen geschieht seit dem Pastoralkonzil mit einer Geschwindigkeit, die alles in der Kirchengeschichte dagewesene übersteigt. Auch traditionell- katholischen Gemeinden gelingt es nicht, diesen Trend umzukehren.
Natürlich ist die Voraussetzung für jede Neuevangelisierung, daß deren Träger, Priester und Gläubige, normale Katholiken sind. Da das nur in den Altritusgemeinden noch sicher gewährleistet ist, sind diese die erste Zielgruppe für Gemeindewachstum.
Mehr Menschen zu Christen und die Christen eifriger machen – das ist das Ziel der Church- Growth oder Gemeindewachstumsbewegung unter US- amerikanischen Protestanten. die meisten ihrer Ergebnisse lassen sich auf die Kirche Jesu Christi übertragen.
Der Forschungsansatz der „Church Growth“ – Bewegung ist denkbar einfach: man untersuche wachsende, stagnierende und schrumpfende Gemeinden und geistliche Gemeinschaften und stelle fest, was hier und dort jeweils anders ist. Dann versuche man auf Basis der Bibel und -für Katholiken- der Lehre der Kirche Regeln und Prinzipien zu beschreiben, nach denen Gemeindewachstum geschieht. Eine stagnierende oder schrumpfende Gemeinde, die ihre Leitung zum Wachsen bringen will, muß dann diese Regeln und Prinzipien in ihrer Situation anwenden.
Konkret müßte jede Gemeinde so konzipiert und geführt werden, wie eine geistliche Gemeinschaft. Das heißt, um nur die gröbsten Fehler aufzuzählen, die Gemeindewachstum verhindern, es muß:
-eine formale Mitgliedschaft geben, die mit dem Bekenntnis zum Glauben, der Verpflichtung auf die Moral und der Bereitschaft zur Mitarbeit verbunden ist.
-die Gemeindeleitung muß das Ziel haben, daß ihre Gemeinde qualitativ und quantitativ wächst, d.h. daß Nichtkatholiken oder nicht- praktizierende Katholiken aus dem geographischen Umfeld zum Glauben kommen bzw. die Gemeindemitglieder eifrigere Katholiken werden. (Und vorgesetzte häretische Kirchenfunktionäre dürfen ihr das nicht verbieten können).
-die Gemeinde darf nicht als eine Ansammlung von isolierten Individuen begriffen werden, die einzeln am selben Ort von den Geistlichen betreut werden. Sondern als ein Gesamtorganismus, ein „Team“ oder „Leib“, der gemeinsam Projekte angeht, die ein Einzelner nicht angehen kann.
-Kunst der Gemeindeleitung ist, die „richtigen“ Projekte für die konkrete Situation auszuwählen – darunter auch direkte Neuevangelisierung. Aufgabe der Gläubigen ist, mitzumachen.
-die Gemeindemitglieder müssen in der Gemeinde „ausgebildet“ werden über Kommunionunterricht oder Firmkatechese hinaus – z.B. lernen, wie man den Glauben bezeugt. Oder ihre persönliche Begabung und Berufung finden – so sind nach Studien nur etwa 10% der Gläubigen zur direkten Evangelisierung „geschaffen“.
-Personen, die das erste Mal zur Gemeinde kommen, müssen unbedingt ein Angebot zum „Einstieg“ vorfinden: eines für bereits praktizierende Katholiken, die z.B. durch Umzug neu sind, und unbedingt einen Glaubenskurs oder ähnliches für bisher Fernstehende.
-neben der anonymen Sonntagsmesse sollte ein möglichst großer Teil der Gemeindemitglieder in kleineren Untergruppen –Hauskreise, Zellgruppen, Gebetskreise- eingebunden sein. Alle wachsenden katholischen geistlichen Gemeinschaften verwenden dieses Wachstumsprinzip. In diesen Gruppen geschieht gegenseitiger Austausch und Beistand, Gebet und auch Fortbildung und selbst Neuevangelisierung (über das Einladen von Gästen).
Ausgerüstet mit diesen Werkzeugen könnten traditionell- katholische Gemeinden von der Glaubenbewahrung zur Wiedereroberung übergehen.
Die „Konkurrenz“ ist durch Massenmedien und diverse ideologisch agierende Bwegungen, Gruppen, Parteien vielfach größer als noch vor 50 oder 100 Jahren. Die Christen werden es entweder lernen, diese neue Bedrohung mit neuen, besseren Methoden zu parieren. Oder sie werden weiterhin der Säkularisierung zuschauen müssen.
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