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Damit die gewaltige Körpergröße einen Selektionsvorteil bot (übrigens auch bei Klimaschwankungen), musste sie rasch erreicht werden. Die viele Eier legenden Saurier wogen beim Schlüpfen etwa 10 kg. (Zahlreiche Eier pro Gelege gelten als weiteres „Primitivmerkmal“.) Knochengewebsuntersuchungen zeigten, dass dieses Wachstum mit einer den Säugetieren vergleichbaren Geschwindigkeit und damit auch vergleichbaren Stoffwechselrate einherging. Bei ausgewachsenen Sauropoden hätte eine solch hohe Stoffwechselaktivität zu Nahrungs- und Überhitzungsproblemen geführt, weswegen Sander & Clauss - gestützt auf weitere Fachliteratur - annehmen, dass diese Aktivität mit zunehmendem Alter abnahm. Das Legen vieler Eier ermöglicht anders als bei Säugetieren die rasche Erneuerung einer Population nach größeren Sterbeereignissen und soll damit zu ihrer langen Vorherrschaft beigetragen haben. Die ausgeprägte Kombination von sogenannten “altertümlichen” und “modernen” Merkmalen dieser Gruppe (Bild 2) ist für eine evolutionstheoretische Rekonstruktion eine Herausforderung.
Dr.Wolfgang B. Lindemann
Literatur
Sander PM , Clauss M (2008), Sauropod Gigantism, Science 322, 200-201.
Forschungseinheit 533 der DFG (online support): www.sauropod-dinosaurs.uni-bonn.de
Zusatzinformation
In obigem Artikel wird die im Originalartikel von Sander & Clauss (2008) angenommene Ansicht übernommen, dass die Sauropoden mit langen Hälsen diese dazu verwendeten, ähnlich heutigen Giraffen ihren kleinen, leichten Kopf meterhoch ins hohe, anderen Pflanzenfressern unzugängliche Blattwerk zu zu bewegen und zugleich größere Bereiche abzuweiden, ohne energieaufwändig den massigen Rumpf bewegen zu müssen. Seymour (2009) stellte dies einige Monate nach erscheinen des Artikels von Sander & Clauss in einem Brief an die Zeitschrift Science in Frage: Um das Blut bis zu neun Meter hoch zu pumpen, müßte das Herz des Sauriers knapp die Hälfte seiner metabolischen Gesamtenergie dem Herzen zur Verfügung stellen und zwar in Ruhe und in Bewegung - viel zu viel, um überlebensfähig zu sein. Dies legt es nahe, dass der hohe Kopf nur auf maximal etwa Herzhöhe gesenkt wurde und die in dieser und tiefer vorhandene Vegetation abzuweiden.
Seymur RS (2009), Sauropods kept their heads down, Science 323, 1671
Sander et al. antworten in derselben Ausgabe und -Seite, daß ihnen die Kontroverse, ob Saur- opoden mit langen Hälsen ihren Kopf hoch oder niedrig trugen, bekannt sei, aber nicht relevant für die eigentlichen Schlußfolgerungen ihres Artikels. Sie hätten nicht behauptet, dass Saurier systematisch erhöhte Pflanzen abweiden, obwohl eines ihrer Bilder dies suggeriert hätte. Sie hätten lediglich sagen wollen, daß aufgrund des langen Halses Sauropoden Futter erreichen konnten, dass anderen, kleineren Tieren unerreichbar blieb. z.B. Seeufern oder Flußsandbänken. Seymur schließt in seine Berechnung nicht kurzzeitige Erhebungen des Kopfes ein. Die Fähigkeit zum Anheben des Kopfes wird auch durch die starke postmortale Rückwärtsbeugung des Halses einiger Sauropodenskelette und die relative Größe der semicircularen Kanäle bei Brachiosaurus. Die Tiere weideten wahrscheinlich überwiegend in horizontaler Position die umliegende Vegetation ab und hoben den Kopf nur gelegentlich und kurz an, insbesondere bei Nahrungsmangel.
Ich selber möchte auf zwei Punkte hinweisen: Bereits beim Menschen ist es für das Herz außerordentlich schwierig das in diesem Falle venöse Blut aus dem nur etwa maximal 1 1/2 Meter niedrigeren Fuß- und Unterschenkelbereich wieder ins Herz zurückzuholen. Es ist nur möglich durch den Einsatz einer speziellen “schwammartigen” Organisation der Fußvenen und der Muskeln der Beine, die bei jedem physiologisch durchgeführten Schritt (wozu z.B. das Gehen auf Stöckel- schuhen nicht gehört) das Blut den Druckunterschied überwinden lassen. Entsprechend häufig sind innere und äußere Krampfadern beim Menschen bis hin zur venösen Insuffizienz und Ernährungs- störungen mit trophischen Störungen der unteren Extremität. Außerdem ist die klassische, immer wieder zitierte Annahme, dass Giraffen überwiegend in den Baumgipfeln weiden, meines Wissens falsch: Giraffen weiden genausolange auf dem Boden wie andere Pflanzenfressern auch, vermutlich aus analogen Motiven wie von Seymur (2009) genannt.
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