Zunächst möchte ich Ihnen Bezeichnungen und Funktionen des Stationspersonals erläutern - das ist nicht genau dasselbe wie in Deutschland und so werden Sie sich sofort leichter zurechtfinden. Aus didaktischen Gründen lehne ich mich an die militärische Hierarchie an:

Auf “Mannschaftsebene” haben Sie die agents hospitaliers und die aide-soignantes. Ein agent hospitalier verwaltet die Stationsküche, teilt das Essen aus und hilft den Patienten beim Essen und macht alle Reinigungsarbeiten auf Station. Grundsätzlich darf er darüber hinaus nicht am Patienten tätig werden, aber im Einzelfall kann der verantwortliche Arzt dies für seine Station gestatten. Damit überschneidet sich seine Funktion mit der der aide-soignantes (“Krankenpflegehelferin”, Abkürzung ASH)) die eine einjährige Ausbildung haben und einem Korporal oder Hauptgefreiten entsprechen. Eine aide- soignante wäscht die Patienten, wiegt sie, misst Blutdruck und hilft natürlich auch beim Essen. Dazu macht sie noch alle anderen Hilfstätigkeiten wie Betten machen, die keine besondere insbesondere juristisch valable Qualifikation verlangen.

Eine Krankenschwester infirmière diplomée d’état oder IDE entspricht einem Unteroffizier. Sie macht dieselben Tätigkeiten wie deutsche Krankenschwestern auch, wäscht und füttert die Patienten aber nicht, das machen nur die aide-soignantes und die agents hospitaliers. Die IDE macht zudem sämtliche IV-Blutabnahmen und alle Infusionen eigenverantwortlich. Das Blut wird aus denselben funktionalen Notwendigkeiten hierzulande auch früh am Morgen abgenommen - und da die IDE das macht, braucht der interne erst um 9:00 zu erscheinen, in der Realität meist erst 9:10 ...  Natürlich macht eine IDE auch mit die Visite, sofern das nicht die Oberschwester macht.

Die Oberschwester cadre de santé (früher: cadre infirmière) entspricht einem Feldwebel. Sie hat mindestens 5 Jahre als IDE gearbeitet, ehe sie eine école des cadres absolviert hat und nun mit eigenem Büro und anderen Arbeitszeiten (9:00 - 17:00 oder 18:00) auf Station eingesetzt wird. Sie macht grundsätzlich keinerlei Arbeiten mehr am Patienten - es muss schon eine katastrophale Lage eintreten, ehe eine cadre de santé Blut abnimmt oder Medikamente verteilt. Dafür macht sie normalerweise die Visite mit und die diversen Verwaltungsarbeiten und führt auch mit Patienten und Angehörigen Gespräche. Da sie oft ihre Grenzen nicht akzeptiert, sind Konflikte zwischen ihr und dem interne vorprogrammiert ...

Eine cadre de santé supérieur (früher: cadre infirmière supérieur) entspricht einem Haupt- oder Kompaniefeldwebel. Sie ist für mehrere Stationen verantwortlich, z.B. hat jedes Fachgebiet in einem CHU als Gegenstück zum Chefarzt eine cadre de santé supérieur, mit eigenem Büro und hauptsächlicher Verwaltungsarbeit. Sie trägt im allgemeinen keine weiße Pflegekleidung mehr was die cadre de santé noch tut und legt schon gar nicht mit Hand an.

Dazu kommen noch die Schülerinnen  élèves. Es gibt élèves aide- soignante und élèves infirmière, die Ausbildung dauert 1 bzw. 3 1/2 Jahre ... und ist unbezahlt, es sei denn, die Schülerin hat einen speziellen Ausbildungsvertrag, der sie nach Ablauf der Ausbildung für 5 Jahre an das ausbildende Krankenhaus bindet. Solche Verträge sind selten.  Voraussetzung für die Ausbildung zur IDE ist das französische Abitur “baccalauréat” oder kurz “bac”. Die Ausbildung gilt rechtlich als “bac + 2”, auch wenn sie 3 1/2 Jahre dauert, und steht damit formal einem DEUG einer Universität oder einem BTS gleich. Ein diplôme des études générales DEUG erhalten z.B. Philologie- Studenten nach 2 Jahren Studium samt Prüfung, ein brevet de technicien supérieur BTS dauert auch 2 Jahre und entspricht ungefähr einer qualifizierten Lehre (z.B. in Banklehre) in Deutschland. (Eine Lehre in einem weniger qualifizierten Beruf z.B.Zahnarzthelferin oder einer der vielen Mechanikerberufe würde einem CAP entsprechen)
Nicht zu vergessen das übrige paramedizinische Personal: Krankengymnastin kinésithérapeute, Hebamme sage-femme, Diätassistentin diéteticienne, Logopädin orthophoniste ...

Kommen wir zu den “Offizieren”:
Französische Medizinstudenten arbeiten ab dem 4. Studienjahr jeden Vormittag als externe auf Station und entsprechen damit einem Fähnrich. Alle Unterrichtsveranstaltungen sind am Nachmittag. Sie bleiben 2 Monate auf jeder Station und rotieren  dann, so dass sie binnen 3 Jahren alle Fachgebiete durchlaufen. Sie erhalten ein kleines Gehalt und sind sozialversichert ... haben aber auch nur ihre 6 Wochen Urlaub wie andere Arbeitnehmer auch. Außerdem müssen sie pro Jahr 12 Nachtdienste in der Notaufnahme machen. Auf Station sind sie natürlich bei der Visite dabei -das nimmt schon den größten Teil des Vormittages ein- und machen ansonsten, was sie können und was lokal üblich ist ... und was die Zeit erlaubt. Patienten untersuchen sie nur relativ selten, da die Neuaufnahmen ja am Nachmittag stattfinden, wenn sie immer abwesend sind. Sie rufen Hausärzte wegen Zusatzinformationen an, ordnen die Laborergebnisse in die Krankenakte ein, machen arterielle Punktionen, EKG’s, Lumbalpunktionen und sind eigentlich ziemlich überflüssig, d.h. die meiste Zeit schauen sie doch nur zu, namentlich bei der Visite. Das hängt aber natürlich auch von der einzelnen Station ab, von dem einzelnen externe und dessen Ausbildungsstand. Ein externe 6e année (“Oberfähnrich”) ist schon fast ein interne und weiß und kann entsprechend eine ganze Menge - einer aus dem 4. Studienjahr entsprechend weniger. Insgesamt bekommen die externes aber doch mehr mit, als deutsche Medizinstudenten, und das PJ kann da nicht völlig ausgleichen, so dass nach dem 6. Studienjahr die Franzosen besser ausgebildet sind als wir.

Der Assistenzarzt oder interne ist als Leutnant zugleich Nachwuchskraft, wie man in der Wirtschaft sagen würde, und Arbeitspferd. Ihm habe ich eine eigene Seite gewidmet mehr.

Jede Station hat einen für sie veranwortlichen praticien hospitalier oder Oberarzt, der als  Hauptmann die gesamte medizinische Verantwortung für seine Betten trägt - der Chefarzt hat, das ist ein ganz wesentlicher Unterschied, nur administrative Funktionen. Eine praticien hospitalier PH ist wirklich wie ein niedergelassener Facharzt voll und ganz der behandelnde Arzt für die Patienten auf seiner Station und keiner redet ihm ‘drein. Er bekommt ein brauchbares Gehalt - es beginnt mit netto vor Steuern knapp 3000.- Euro und hat keine Nachtdienste vor Ort mehr, nur noch Hintergrundbereitschaft. Um PH zu werden, muss man einen concours absolvieren ...  Das einzelne Krankenhaus kann also nicht einstellen, wen es will, sondern muss einen Kandidaten nehmen, der den concours bestanden hat. Man kann eine Anstellung als praticien hospitalier contractuel haben, die ist aber immer nur auf ein Jahr befristet (und beliebig verlängerbar). In dieser Zeit kann man den concours machen und dann bleibt man meist auch auf der Stelle, auf der man ist. Das letzte Wort hat aber die commission médicale de l’établissement CME, in der die Chefärzte den Ton angeben, aber auch stimmberechtigte Vertreter der PH, der assistants und der internes sitzen. Außerdem braucht es für die Ernennung eines PH stets das Placet des Gesundheitsministeriums in Paris, und es kann vorkommen, dass das Ministerium einen Kandidaten durchsetzt, den vor Ort niemand haben will.
Da jede Krankenhausstation spezialisiert ist, ist der PH normalerweise Facharzt. PH- Stellen für Allgemeinmediziner gibt es aber auch, typischerweise in der Geriatrie, in der Notaufnahme und in Nachsorgestationen. Eine französische Eigenart sind die Stellen als “somaticien” in psychiatrischen Krankenhäusern: die französischen Psychiater kümmern sich nicht um die “organische” Seite, sie haben auch nur ein halbes Jahr Neurologie absolviert und haben die Devise “le psychiatre ne touche pas au patient” “Der Psychiater berührt den Patienten nicht”. Dafür gibt es einen Allgemeinmediziner, der für mehrere psychiatrische Stationen verantwortlich ist. Er ist in seltenen Fällen PH, ansonsten assistant généraliste.

Zwischen interne und Oberarzt steht wie ein Oberleutnant der chef de clinique -wie er in Universitätskrankenhäusern heißt- bzw. der assistant (in Peripheriekrankenhäusern). Er ist bereits Facharzt bzw. Allgemeinmediziner und als solcher Mitglied der Ärztekammer mit allen Rechten und Pflichten, er könnte sich sofort in eigener Praxis niederlassen, aber er hat noch nicht die Verantwortung für eine eigene Station, sondern betreut einen Teil der Betten eigenverantwortlicher als der interne, aber immer noch unter der Aufsicht des für die Station verantwortlichen Oberarztes. Man wird chef de clinique bzw. assistant, um noch weiter zu lernen, das ist gerade für eine Laufbahn an Universitätskrankenhäusern wichtig. Man kann längstenfalls 6 Jahre chef de clinique bzw. assistant bleiben. Danach wird man entweder selber Oberarzt oder lässt sich nieder. Der chef de clinique  macht keine Nachtdienste vor Ort mehr, sondern nur noch Hintergrundbereitschaft, ebenso der assistant spécialiste, aber der assistant généraliste -der in etwa die Arbeit eines interne macht- hat Nachtdienste.

Schließlich gibt es natürlich den Chefarzt chef de service, der dem Oberst entspricht. Wie gesagt, er hat nur administrative Funktionen, macht also nicht bei “seinen” Oberärzten Visite. Er hat seine eigene Station, wo er zugleich Oberarzt ist und ist dazu Chefarzt - meist bekommt er auch keine bessere Bezahlung und trotzdem will jeder das gerne werden. An Universitäts- krankenhäusern ist er auch zugleich Professor, aber einzelne PH universitaires -wie das heißt- können Professor sein, ohne Chefarzt zu sein. Ein wesentlicher Unterschied in der akademischen Welt ist, dass hierzulande die Stufe des “Privatdozenten” leider fehlt und damit eine Belohnungsmöglichkeit (und Motivation!) für gute Forschung nicht vorhanden ist.

Ganz oben steht der ärztliche Direktor des Krankenhauses bzw. sein Stellvertreter: président de la commission médicale de l’établissement oder président de la CME, mit einem General zu vergleichen. Letzterer beherrscht den Einsatz verschiedener Waffengattungen -darum heißt er so- und analog dazu repräsentiert und verwaltet der ärztliche Direktor die verschiedenen Fachgebiete seines Krankenhauses. Legen Sie sich nicht mit ihm an - und im Zweifel ziehen Sie eine Stelle vor, bei der Sie nicht direkt in seiner Station (die er immer noch hat) arbeiten oder der Abteilung, von der er Chefarzt ist.

 

Verwundetenversorgung an der Hauptkampf- linie in Französisch-Indochina 1945- 1954.

Korporal Ti (li) reicht Morphium an. Als Frei- williger im französischen Expeditionskorps ver- teidigt er seine Heimat gegen die kommunisti- sche Bedrohung.

Verwundetentransport unter Frontbedingungen

Der adjudant (Feldwebe, li) will die Verwun- deten zurücklassen, der sous-lieutenant (Leutnant, re)  sie mitnehmen.
Der Feldwebel hat 12 Jahre Berufserfahrung, davon 3 als Elsässer zwangsweise in der Wehrmacht an der Ostfront und 2 Perioden in Indochina - er weiß, dass sie binnen 48 Stun- den in ein Krankenhaus müssen um zu über- leben, was bei der Einheit viel weniger wahr- scheinlich möglich ist als vielleicht beim Feind.
Der Leutnant kommt direkt von der Militärakademie St. Cyr (wo dieser Film heute noch “un filme culte” ist, wie mir ein junger franz. Heeresoffizier sagte), ist keine 14 Tage in Indochina und hat einen Angriff auf eine weit überlegene feindliche Nachschubkolonne befohlen.
Er befiehlt die Mitnahme der Verwundeten.

Ein politischer Kommissar des kommunistischen Vietmin macht den Dorfbewohnern klar, dass jede Form von Kontakt, Beherbergung oder Unterstützung der französischen Streitkräfte mit asiatischer Grausamkeit an Leib und Leben bestraft wird. 
Die französischen Fronteinheiten bestanden abgesehen von der Fremdenlegion  mehrheitlich aus einheimischen Freiwilligen, was  Ausdruck   der Sympathie der Bevölkerung mit ihrer Schutzmacht ist - eine Sympathie, die nur durch Terror unwirksam gemacht werden kann.

Warum der Vergleich mit der militärischen Rangliste und warum die entsprechenden Bilder am Rande ? Weil diese Seiten nicht nur der Information über ärztliche Berufsmöglichkeiten in Frankreich, sondern vor allem dem ... Evangelium dienen sollen. Dieses Evangelium Jesu Christi ist mehr als “freundlich sein und sozial denken” und es wendet sich nicht nur an einzelne, sondern will auch die menschliche Gesellschaft, die Staaten und Völker verändern und formen. Sicherlich wird der Katholik immer eine “Option für den Frieden” haben - als der Botschafter Österreich- Ungarns Papst Pius X. nach der Mobilmachung im Juli 1914 um die Segnung der Waffen des Kaiserreiches bat, antwortete der heilige Papst “Seien Sie froh, wenn ich sie nicht verfluche !”. Aber es gibt historische Situationen, in denen wie dem einzelnen Verbrecher die Polizei mit Gewalt widersteht auch dem staatlich organisierten Verbrechen mit Waffengewalt widerstanden werden kann, darf ... und vielleicht sogar muß. Ich denke, daß es für die Alliierten keine andere Möglichkeit als Krieg gegen Hitler gab. Zumindest konnte man sicher niemandem Vorwürfe machen, wenn er Nazideutschland mit Waffengewalt entgegentrat. Angesichts unserer Geschichte sind wird Deutschen natürlich wenig geneigt, unsere Armee zu verherrlichen - sie war ja das Werkzeug Hitlers. Aber aus der Sicht der Franzosen, Engländer etc. sieht das genau umgekehrt aus: je schlechter der Nationalsozialismus war, desto besser war der Widerstand gegen ihn. Als die 2. Panzerdivision des Generals Philippe Leclerc de Hautecloque zusammen mit der 1. französischen Armee des Generals de Lattre de Tassigny Straßburg von der Naziherrschaft befreite, bedeutete dies für die Einwohner die Freiheit und das Ende jahrelanger Leiden - und die Rettung für die noch überlebenden Bürger jüdischen Glaubens. Diese französischen Soldaten setzten wie ihre britischen und amerikanischen Kameraden ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel - und es folgt aus elementaren Erwägungen zur ausgleichenden Gerechtigkeit (justitia distributiva), daß sie dafür Anerkennung und Achtung verdienen. Die Sache ist einfach: wenn ein Krieg ungerecht ist, soll und darf ein Katholik daran nicht teilnehmen. Aber wenn er gerechtfertigt ist, verdient er Respekt für seinen Einsatz für das Gemeinwohl - so unsere KSK- Soldaten, die in Afghanistan an Operationen gegen die Talibanterroristen teilnehmen. Was uns in Deutschland vor allem fehlt, ist die Leitfigur des katholischen Offiziers, wie sie z.B. Frankreich immer wieder hervorgebracht, z.B. in der Person des General de Sonis im 19. Jahrhundert, für den ein Seligsprechungsprozess läuft und  den auf den beiden Wallfahrten der katholischen Tradition von Chartres nach Paris mehr und umgekehrt jedes Jahr an Pfingsten immer eine Pilgergruppe als Namen führt.. Und an all diesen “Hintergrund” möchte ich auf dieser Seite erinneren ...  es ist kein Zufall, daß ein römischer Centurio von Jesus Christus als Muster des Glaubens gelobt wurde....

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