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Wenn Sie in mein Sprechzimmer kommen, werden Sie mich dort sitzen sehen - umgeben von Computer und Bildschirmen, Drucker, Schreib- tisch, Patientenakten und Formularen der Kassen. Ich bin als Landarzt ein Ein-Mann-Betrieb - wie alle hierzulande. Das bedeutet, ich muss einerseits alles selber machen, andererseits aber auch keine Sprechstundenhilfen durchfüttern und entsprechende Umsätze machen. Wenn ich krank bin, mache ich zu; ich verdiene nichts, habe aber auch kaum Unkosten. Dafür gehe ich selber ans Telephon, suche mir selber die Akten heraus und mache selber die Ablage (die hängenden Akten ohne Schublade sind das praktischste System, da sie direkten Zugriff erlauben), mache dem Patienten die Tür auf und wieder zu, kassiere selber, stelle die Quittungen aus und was sonst noch so “neben” der Medizin zu tun ist. Meine gesamten Fachbücher -nicht nur die medizinischen- stehen auch in der Praxis, etwas abgeteilt, so dass der Patient diese nicht direkt sehen kann - es muß ja nicht jeder gleich wissen, daß ich z.B. mehrere Katechismen oder die Summa theologiae von Thomas von Aquin, unseres größten Theologen, oder eine Reihe von Bibeln hier stehen habe. Auch wenn natürlich deren Lektüre jedem guttäte - Jesus Christus ist ja der Erlöser aller Menschen.
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Oben: Sie sehen einen Teil der Akten -Steuern, Briefwechsel, Banken, Versicherungen etc.- sowie die aufgeklappte Kasse. An der Wand hängt eine farbige Karte der Region, für Hausbesuche. Auf dem großen Monitor klebt ein kleiner, mit dem kann ich das Operationszimmer einsehen. Das Operationszimmer dient zugleich als eine Art zweites Wartezimmer; einen Patienten, den ich überwachen möchte, kann ich dort hineinsetzen und schon den nächsten behandeln. Es macht wenig Sinn, jemanden ins Wartezimmer zu setzen, da dort oft niemand ist und ich dieses nicht einsehen kann. Und dort eine Funkkamera anzubringen wie im Operationszimmer, würde negativ wirken (und am Rande der Legalität sein). Ohne Kamera könnte jemand im Nebenraum sogar sterben, ohne dass ich es merken würde. Außerdem arbeite ich viel mit Fragebögen, besonders bei psychiatrischen Erkrankungen. Die Patienten bekommen die auszufüllenden Fragebögen und können sie dann im Operationszimmer, wo entsprechend Schreibtisch und Polsterstuhl stehen, ausfüllen. Natürlich sage ich einem Patienten, dass ich ihn nebenan sehen kann - schon deswegen, weil ich dazu juristisch verpflichtet bin.
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Die Patientenliege (ein Theater, sie zusammenzukriegen !) vor der Rückwand meiner beiden Bücherschränke. Eine Rückwand für 2
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Schränke ... dank des Bürgermeisters: Ich hatte hier meine beiden großen Ikea- Schränke aufgestellt, die schon viele Umzüge mitgemacht hatten. Den einen habe ich schon seit über 15 Jahren - es war mir klar, dass dies in jedem Falle sein letzter Umzug sein würde ... Außerdem ist die Rückwand von Ikea-Schränken immer ziemlich unansehnlich. Der Bürgermeister sah sich das ein paar Monate an, und spendierte mir, auf Gemeindekosten, die schöne Plastikrückwand, die der Gemeindearbeiter anbrachte. Um ehrlich zu sein: ich weiß gar nicht, wie ich all dieses Wohlwollen jemals erwiedern soll. Ich hoffe, mich immer dieses Vertrauens würdig zu erweisen. Fachlich und menschlich, z.B. indem ich auch nachts und am Wochenende erreichbar bin,
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Noch eine Ansicht meines Arbeitsplatzes, diesmal ohne mich. Ganz klein können Sie auf dem Bildschirm die Webcamera sehen. Damit kann ich die Kamera auf “Aufnahme” schalten, dann nimmt sie mich auf. Diese Funktion verwende ich bei juristisch “heißen” Situationen wenn z.B.ein Patient tätlich werden sollte oder, noch gefährlicher, eine Minderjährige versucht, mich zu verführen. Ich würde sie natürlich herauswerfen, aber dann würde so ein Vögelchen möglicherweise sich rächen, indem sie ein hübsches Geschichtchen erfindet, ich hätte sie unsittlich angefasst oder sonst etwas. Ich bin oft alleine in der Praxis und habe keinen Zeugen - und die sozialistische Gesetzgebung und Rechtsprechung Frankreichs werden immer ihre Aussage höher bewerten als meine (die Richter sind hier “links”, wenn sie einem Vermieter, Arbeitgeber, Geistlichen oder Arzt oder anderen “Honoratior” eines ‘reinhauen können, tun sie das auch. und das wird auch so bleiben, da sie alle eine einzige Fachschule bei Bordeaux durchlaufen müssen, in der entsprechend selektiert wird, das weiß ich von befreundeten Juristen) Durch die Kamera kann ich mir in solchen Situationen einen Zeugen verschaffen ... und die kriminelle Energie dämpfen durch die einfache Mitteilung “Mademoiselle, je démarre une caméra”. Diese Szenario ist natürlich unwahrscheinlich, gerade auf dem Land. Aber die Gelegenheit einen Super Gau um den Kamerapreis von 36.- Euro vermeiden nutze ich !
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Links auf der Fensterbank steht hinter dem Faxgerät ein Korb - er dient als Shuttle zwischen Wohnung und Praxis. In der Wohnung tue ich hinein, was in die Praxis soll, und umgekehrt. Der weiße längliche Behälter hinter dem Schemel ist für Altpapier. Ich bekam zu Anfang, unerbeten, jeden Tag etwa 4 verschiedene Zeitschriften für Allgemeinmediziner ins Haus, und viel anderes sinnloses Papier, das dann dort landet. Die Zeitschriften sind werbefinanziert, d.h. mittelbar -über die Medikamentenpreise- von den Patienten bzw. den Kassenbeiträgen. Mittlerweile habe ich es fertiggebracht dass ich außer einer Zeitschrift für Allgemeinmedizin “La revue du praticien - médecine générale - die ich bezahle - und deren Informationen ich daher eher traue- kaum noch unerwünschte Zeitschriften bekomme. Man beachte den gigantischen Heizkörper - mindestens 40 Jahre alt. Er heizt fürchterlich ein - meistens brauche ich ihn ohnehin nicht, da selbst im Winter die Sonneneinstrahlung fast schon genügt.
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Rechts sehen Sie den Blick auf die Tür zum Wartezimmer (verschlossen) sowie auf die offene Tür zum Operationszimmer. Am Haken hängt immer eine Jacke und eine Tasche, und im OP- Zimmer steht immer ein Paar Schuhe: ich gehe meist in Hausschuhen und Pullover eben aus meiner Wohnung runter in die Praxis, so kann ich im Falle eines unvorhergesehenen Hausbesuches aufbrechen, ohne erst in die Wohnung hochlaufen zu müssen (ich wohne schräg über der Praxis). Und darüber sehen sie ein Kreuz ... mit Jesus Christus, dem Herrn meines Lebens. Es ist ein Risiko, es in eine Arztpraxis zu hängen, da am Rande der Legalität, angreifbar wäre es an einem Ort, wo die Patienten es sofort problemlos sehen würden. Über der Tür ist es noch gerade vertretbar, zumal hier in Elsass-Mosel, wo sogar in öffentlichen Gebäuden des Staates oft ein Kreuz hängt (und das ist wirklich streng verboten, aber eben lokale Sitte), auch hier im Dorf, und unser Bürgermeister im Kirchenchor singt und eine Schwester hat, die Ordensfrau ist. Hier ist das Risiko einer Klage gering, darum riskiere ich das - ich möchte es nun nicht gerade provozieren, so zu enden, Der tiefere Grund ist, dass ich denke, Jesus Christus ist meine “Versicherung”. Er hat mir z.B. diese wundervolle Aufnahme in Walschbronn gegeben - doppelt so gut wie mein kühnster Traum ! Aber zurück in die Praxis. Hinter mir sehen Sie die Aktenschränke - alles ist auf Vorrat gerechnet. Jeder der beiden Schränke fasst wenigstens 400 hängende Akten. Der rechte ist noch gar nicht mit Akten belegt - und es ist Platz genug, zwei weitere dieser Aktenschränke an der Rückwand hinter mir aufzustellen. Ich habe sie schon -wer weiß, ob es dieses Modell in 10 oder 20 Jahren, wenn ich sie brauche, noch gibt - aber derzeit sind sie -mit Tür, die entfernbar ist- im Operationszimmer als Voratsschränke verwendet. Ich werde hier, so Gott will, bis zu meiner Pensionierung arbeiten, da gilt es, langfristig zu planen.
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Nun ein Blick von meinem Arbeitsplatz. Man sieht Fenster mit und ohne Sichtschutzvorhang, einen Wärmestrahler, einen Untersuchungs- platz für Säuglinge, rechts ein Negatoskop (hat mir, Gott sei Dank!, auch der Gemeindearbeiter angebracht -darum hängt es sicher und gerade). Es gibt nicht viele Allgemeinmedizinpraxen in Frankreich, die so ein Negatoskop haben - aber ohne das ist eigentlich kein seriöses Betrachten von Röntgenbildern möglich: “gegen das Fenster” oder “gegen die Deckenlampe halten” ist einfach nicht hell genug und dadurch sieht man kleine Details nicht, zudem ist das Licht nicht gleichmäßig verteilt. Schräg über meiner aufgeklappten Arzttasche mehr habe ich 2 Rahmen mit Photos hängen: oben ein Bild des Seligen Niels Steensen, der Patron meiner Praxis mehr über ihn.Darunter hängt ein privates Bild, dass jetzt ersetzt ist mit Urkunde und Photos meiner französischen Staatsbürgerschaft und deren Überreichung durch die Unterpräfektin und nochmal darunter hängt seit Winter 2009 mein Zeugnis für die Ausbildung zum Psychotherapeuten. Zu dem Rouleau (linkes Bild hochgezogen, rechtes Bild heruntergelassen) gibt es auch eine nette Anekdote: In den ersten Monaten nach der Eröffnung fehlten diese; meine Praxis liegt im Hochparterre und blickt auf einen meist leeren Hinterhof, an den sich Gärten anschließen. Vom Hof kann man nur hereinschauen, wenn man eine Leiter nimmt, und das einzige Haus, dessen Fenster Einblick in die Praxis gestatten, liegt etwa 150m weiter und gehört einer alten, über 80jährigen Dame. Ihr Mann ist im Frühjahr 2010 mit 91 Jahren verstorben, er war mein Patient und ich würde von ihr am Samstag Abend um 19:00 gerufen und ich habe befürchtet, dass ich ihn lebend nicht wiedersehen würde und darum auch den Sohn verständigt. Leider habe ich Recht behalten, obwohl er nach einem Oberschenkelhalsbruch ein Jahr zuvor zu meiner größten Überraschung wieder auf die Beine gekommen war. Jedenfalls ließen mir die praktische Nichteinsehbarkeit des Sprechzimmers -sowie der Stand meines Bankkontos- mir das Anbringen von Vorhängen o.ä. nicht prioritär erscheinen, auch wenn der Bürgermeister recht bald davon anfing, er fände das wichtig, die Leute hätten Angst, man schaue ihnen beim Entkleiden zu etc. Außerdem habe ich durch das Fenster direkte Sicht auf die Lourdesgrotte, die wir im Dorf haben und diesen Blick wollte ich mir keinesfalls nehmen lassen. Also habe ich auf Zeit gespielt. Daraufhin hat der Gemeinderat, ohne mich viel zu fragen, das Thema wohlwollend erörtert, und es wurde der Ratsbeschluss gefasst, der Praxis des Doktors auf Staatskosten noch Vorhänge zu spendieren. Gesagt getan, und so kam ich zu diesem Rouleau - und da man es so einstellen kann, dass ich durch die Rippen hindurchsehen kann und mich weiterhin an der Lourdesgrotte erfreuen, bin ich auch zufrieden. Lourdes ist ein berühmter katholischer Wallfahrtsort in Südfrankreich, an dem die Mutter Jesu Christi einem jungen Mädchen erschienen ist und an dem bis heute von Zeit zu Zeit medizinisch nicht erklärbare Heilungen stattfinden, wie Jesus auch zu Lebzeiten sie bewirkt hat. Das besondere an Lourdes ist, dass diese Heilungen von einer internationalen Ärztekommission überprüft werden; man lässt nur Heilungen als “nicht erklärbar” zu, die es wirklich sind, d.h. bei denen etwa psychosomatische Ursachen ausfallen. Wie bei dem deutschweitzer Benediktinerbruder Leo Schwager, der nach einer jahrelangen progredient verlaufenen Multiplen Sklerose fast vollständig gelähmt im Rollstuhl nach Lourdes gefahren wurde. Er wurde auf dem großen Platz vor der Basilika mit dem Heiligen Altarsakrament gesegnet - d.h. mit Jesus selber, der unsichtbar darin anwesend ist- und plötzlich sprang er auf und war geheilt. Hundert Zeugen haben das erlebt, noch mehr kannten ihn krank - und erkannten ihn kaum, als er gesund wieder zu Hause eintraf!
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Links oben sehen Sie im Detail meinen Untersuchungstisch für Säuglinge: gepolsterte Unterlage, dahinter steht die Babywage, im Fach darüber sind in den bunten Schachteln rechts allerlei kleine Geschenke für Kinder: glänzende Ringe für Mädchen, Styroporflugzeuge für Jungs, kleine Plastiktiere für beide. Im obersten Regal stehen links die automatischen Blutdruckmessgeräte, die ich an Patienten (gratis) verleihe. Ich kann keinen Blutdruck einstellen, wenn ich nicht über einige Tage oder Wochen mehrmals tägliche Werte habe. Wenn ich einen erhöhten Blutdruck in der Sprechstunde feststelle, leihe ich dem Patienten so ein Gerät und oft kommt auch heraus, dass der Druck zu Hause O.K. ist. Das braune Holzgerät ist übrigens ein Babymeter - zum Messen der Länge des kleinen Erdenbürgers. Das Bild oben rechts zeigt das “Untergeschoss des Säuglingstisches. Sie sehen dort meine Formularreserve: dort finden sich die Reserven sämtlicher verschiedener Formulare, die ich in der Praxis verwende: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Krankentransportschein etc. Insgesamt etwa 20 verschiedene Formulare, die ich nur in mäßigen Mengen brauche. Die abgebildete Menge versorgt mich für mindestens 3 Jahre. Nachbestellung geht ganz einfach -grati !- per Internet, auf der Homepage der franz. Krankenkasse CPAM www.ameli.fr (Deutsche Kollegen werden mir wahrscheinlich nicht glauben, dass der Papierkrieg hier so gering ist! Ich kann sogar meine Steuererklärung ohne Steuerberater machen)) Der Säuglingstisch ist übrigens von Ikea - ich habe fast 6 Stunden gebraucht, ehe er zusammengebaut war´!
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Auf dem linken Bild oben sieht man im Zentrum einen rollenden Tisch, rechts noch einmal in Nahaufnahme. Alles nützliche für die Untersuchung ist dort an Bord, und sogar, im unteren Fach, etwas eigentlich unnütze: ein altes Holzstethoskop ! Hervorheben möchte ich die 20ml-Spritzen im unteren Fach: bei der Otoskopie erkenne ich sofort die Kinder, bei denen die Mutter zur “Reinigung” Wattestäbchen benutzt ... und empfehle dann, die Wattestäbchen zu verbannen und stattdessen einfach mit warmen Wasser mittels der Spritze zu spülen; die Spritze gibt es dann gleich gratis mit. Wichtig ist nur, genügend lange zu spülen - d.h. pro Ohr mindestens ein halber Liter = 25 Spritzenfüllungen (dauert aber keine 3 Minuten). Obenauf liegen die Blutdruckmeßgeräte -in verschiedenen Manschettengrößen- und unten die Peak-Flow-Meter, für Kinder und Erwachsene Asthmatiker blasen bei mir in jeder Konsultation -das Peak-Flow-Meter ist für den Asthmatiker was für den Hypertoniker das Blutruckmessgerät. Und für alle Raucher habe ich ein kleines Gerät, mit dem ich wenigstens einmal jährlich die expiratorischen Maximalvolumina messe, wenn sie zu sehr fallen, geht’s zum Pneumologen oder ich versuche einen Tabakentzug.. Asthmatiker bekommen das Peak-Flow-Meter auch verschrieben für den Heimgebrauch. Das ist -trotz der entsprechenden Empfehlungen in Leitlinien- offenbar weitgehend unbekannt.
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