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Das Studienkolleg des Bistums Essen, im Hintergrund die Ruhr- Universität Bochum
Als ich einzog, wohnten die Priesteramtskandidaten während ihres Theologiestu- diums hier, um anschließend 2 Jahre im Priesterseminar in Essen- Werden aus- gebildet zu werden. Augrund des Rückganges der Berufungen wurde das Priester- seminar in Essen aufgegeben und in das Studienkolleg verlegt, so daß die gesamte Ausbildung in einem Haus stattfand. Das hatte zur Folge, daß die Studenten anderer Fakultäten -wie ich- das Haus verlassen mußten (es war sehr nett von der Diözese, uns dort wohnen zu lassen). Ich habe eine Wohnung in der Wohlfahrtsstraße in einem Neubau gefunden, in dem ich dann bis zum Ende des Studiums geblieben bin.
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Im Frühjahr 1991 erhielt ich die überraschende, mir damals sehr willkommene Nachricht, daß für mich ein Wohnheimzimmer im Studienkolleg des Bistums Essen frei sei. Bis dahin hatte ich privat gewohnt, teuer, recht weit von der Uni, zwei winzige Nordfenster ohne Küche und Bad, und ohne Möglichkeit zum Wäschewaschen und -trocknen. Neben dem Komfort eines Wohnheims zog mich beim Studienkolleg die geistliche Dimension an: Kapelle mit Allerheiligstem Sakrament und tägliche Messe im Hause, theologische Bibliothek und die Möglichkeit, an den Ausbildungsveranstaltungen der Priesteramtskandidaten teilzunehmen, die ich mir so- fort erbat und mir Rektor Berger gerne gewährte. Dazu die malerische Umgebung am Südrand Bochums in einem Naherholungsgebiet.
In Gesprächen mit Direktor Berger, Spiritual Heier- mann, in Vorträgen und Ausbildungswochenenden,, in den “Gottesdiensten” und im gesamten Eindruck mußte ich feststellen, daß dieses Studienkolleg mit der katholischen Religion nicht mehr viel gemein hatte, wenn man als Maßstab die Bibel, den Katechismus und die Summa theologiae von Thomas von Aquin nimmt.
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Einige zufällig ausgewählte Highlights: Meines Wissens wurde niemals ein Rosenkranz im Haus gebetet, schon gar nicht als Pflichtveranstaltung für die Seminaristen. An Fronleichnam wurde eine Prozession veranstaltet ... nur ohne Altarsakrament: in der Hochschulgemeinde fand der “Wort-
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gottesdienst” statt, dann zog man in liturgischen Ge- wändern zum Studienkolleg, wo eine “Eucharistiefeier” folgte. Auf jedem der 3 “Theologen”-Flure stand in der gemeinsamen Küche ein Fernseher; Stillschweigen sollte nur am “Spiritualsabend” (Donnerstag, Vortrag des Spirituals nach der Kommunitätsmesse) herrschen. Spiritual Heiermann sagte mir “ich würde gerne jeden Abend Stillschweigen einführen (das hieße auch kein Fernsehen WL), aber dann gibt es in der Kommunität einen Aufstand”. An der Fakultät wurde in Moral, Exegese, Dogmatik, Liturgik etc von der katholischen Religion wenig übriggelassen - von seiten des Studienkollegs geschah nichts, um all die dort ver- breiteten Irrtümer richtigzustellen - im Gegenteil, die Professoren hielten gelegentlich Gottesdienste für die Kommunität und waren offenbar willkommen.
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Der Innenhof des Studienkollegs, rechts hinter den Bäumen die Kapelle im modernistischen Beton- und kahler Stein- Stil
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Der Eingangsbereich. Man sieht die Zufahrt zur Tiefgarage -einige Priesteramtskandidaten legten sich nur deshalb ein Auto zu, damit sie am Wochenende schneller nach Hause kamen und der Studi- enpräfekt und stellvertretende Rektor Bertsch (wenn ich seinen
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Nachdem Direktor Berger mir beibringen wollte, ein Zusammenleben ohne Trauschein sei moral- theologisch vertretbar (Zitat “Die formale öffentliche Eheschließung gab es im NT noch nicht”, er nahm damit eine der Thesen des Bochumer Moraltheologen Prof. Dr. Hans Kramer auf) und aus den oben genannten Umbaugründen alle “weltlichen” Studenten das Haus verlassen mußten, entschloss ich mich, zu handeln, das heißt die Vorgänge an den Bischof weiterzugeben, den damals neu eingesetzten Nachfolger Kardinal Hengsbachs, Bischof Hubert Luthe. Ich wollte kompetent über das Studienkolleg berichten, und nahm darum weiterhin an einigen Veranstaltungen teil, meldete mich zwecks Feldbeobachtung, wie ich es gegenüber dem Bischof nannte, als freiwilliger Barkeeper für den montäglichen Barabend, an dem vor allem Priesteramtskandidaten teilnahmen, und nutzte verschiedene andere Möglichkeiten, meinen Eindruck über das Haus zu vervollständigen. So befragte ich einen glaubenstreu erscheinenden Priesteramtskandidaten vorsichtig, er fragte nach, warum ich all das wissen wollte, und ich entschied mich, ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit mein Vorhaben anzuvertrauen. Das war eine gute Entscheidung; er bot ausdrücklich an, mir weitere Informationen zu liefern, die dann für mich sehr wertvoll wurden und bewahrte strenges Stillschweigen. Ich habe ihn später im Brief an den Bischof als “Quelle Petrus” bezeichnet. Nachdem ich Anfang 1993 eine andere Wohnung gefunden hatte, verfaßte ich einen Brief an den Bischof von Essen, von dem unten die Zusammenfassung angegeben ist und der, absichtlich so getimed, am Aschermittwoch 1993 abging.
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Namen richtig erinnere) leistete sich von seinem Gehalt einen prima Sportwagen, für ich weiß nicht wieviel 10 000 DM. Weder ihn noch einen sonstigen Priester der Hausleitung -oder gar einen der priesterlichen Theologieprofessoren- habe ich je in priesterlicher Kleidung gesehen.
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Nachfolgend Auszüge aus der Diplomarbeit(Kirchenrecht) eines der Priesteramts- kandidaten, die dieser bei dem Kirchenrechtler Prof. Heinemann verfaßt hatte, der als ein langjähriger Duzfreund des damals neu ernannten Bischofs Luthe von ihm sofort nach seiner Bischofsernennung zu seinem Generalvikar gemacht wurde. Diesen Text habe ich dem Brief an Bischof Luthe beigefügt.
Johannes Breining “ Die Problematik der Wiederverheiratung, ein Vergleich zwischen orthodoxem und lateinischem Kirchenrecht”, Wissenschaftliche Hausarbeit als Zulassungsarbeit zur Kirchlichen Abschlußprüfung an der Katholisch- Theologischen Fakultät der Ruhr- Universität Bochum, im April 1992
S. 75: “Die lateinische Kirche vertritt als einzige Kirche die Lehre von der absoluten Unauflöslichkeit der Ehe ... Es muß jedoch kritisch hinterfragt werden, ob die lateinische Kirche sich bei der Lehre von der ontologischen Unauflöslichkeit der Ehe auf die heilige Schrift berufen kann. Denn weder aus dem AT, noch aus dem NT läßt sich eine solche Lehre direkt herleiten. Hier muß angeführt werden, daß die katholische Kirche nicht von Beginn an diese Lehre vertreten hat. Eine solche Entwicklung läßt sich erst mit dem Erstarken der Kanonistik und der Scholastik feststellen. Eine Möglichkeit des menschlichen Versagens, das zum Scheitern der Ehe führt, wird hier nicht in Betracht gezogen”. S. 77: “Die einzige Möglichkeit zur Zulassung zur eucharistischen Mahlgemeinschaft besteht nach Ansicht des Papstes im Leben der “cohabitatio fraterna”. Es ist hier ernsthaft anzufragen, ob erwachsenen Menschen bei einer gescheiterten Ehe ein Zusammenleben wie Geschwister zuzumuten ist, oder ob diese Forderung nicht in Wirklichkeit eine Karikatur der hiesigen Ehetheologie ist, hat doch das II. Vatikanum die Bedeutung des ehelichen Aktes als Höhepunkt der ehelichen Liebe deutlich hervorgehoben. Die Durchführung dieser “Lebensform” setzt ein Menschenbild voraus, das heute nicht mehr allzuhäufig vertreten wird und weitgehend einheitlich abgelehnt wird.”
Diese Argumentation dreht alles auf den Kopf; die Folgen einer gescheiterten Ehe bleiben lebenslang bestehen, so das Leid der Scheidungswaisen. Die einzige Möglichkeit, dies zu beheben ist die Wiederversöhnung der getrennten Eheleute ... und nicht die Zementierung der Trennung. Im übrigen sind die aufgestellten histo- rischen Behauptungen (“weder aus dem AT noch aus dem NT läßt sich die Unauflöslichkeit der Ehe herleiten” etc.) so dumm, daß man darüber lachen könnte, wenn es nicht so traurig wäre (vgl Mt 5,32 und Mt 14, 4) mein damaliger Beichtvater, ein spanischstämmiger Mariologe, ereiferte sich “dieser Unsinn !”.
Lesen Sie einmal einen Hirtenbrief eines ganz normalen vorkonziliaren Bischofs, dann werden sie den Unterschied sehen: hier, als Download hier (227 KB Word)
Meines Wissens ist Johannes Breining leider trotzdem zum Priester geweiht worden. Die Geschichte hat noch eine besondere Pointe: die Diplomarbeiten der Priesteramtskandidaten wurden zwar in der Bibliothek des Studienkollegs gelagert, waren aber in einem Extraraum unter Verschluß. Ich mußte mich an den Bibliothekar wenden, einer der Priesteramtskandidaten, um Einsicht in die Arbeiten nehmen zu können. Da ich auch seine häretische Grundhaltung kannte, war mir klar, daß mein Vorhaben bei ihm auf keine große Kooperationsbereitschaft stoßen würde, daher habe ich ihm gegenüber angegeben, ich würde gerne die thematisch unverfängliche Diplomarbeit eines bereits vor Jahren geweihten und obendrein recht angesehen und als konservativ geltenden Kaplans einsehen, dieser Kaplan hat später auch eine Kopie des Briefes an Bischof Luthe von mir erhalten und war entsetzt. Da zudem bekannt war, daß ich nebenbei theologische Vorlesungen hörte, machte er keine Schwierigkeiten, und als er mir im verschlossenen Raum die betreffende Arbeit übergeben hatte, fügte ich hinzu, ich hätte hier noch zwei weitere Signaturkürzel von Arbeiten, die ich einsehen müßte, er händigte sie mir aus, ohne weiter auf Namen der Verfasser und Inhalt zu achten. Außerdem habe ich eine Arbeit durchgesehen, die die Augustinusregel behandelte, in der sich aber außer dem vagen Eindruck, der Autor habe mit dem Ordensgelübde “Gehorsam” so seine Schwierigkeiten, nichts “handfestes” fand. Quelle Petrus ergänzte, daß dieser Autor nur zur Messe ging, wenn der Direktor zelebrierte, Quelle Petrus vermutete, wegen des äußeren Eindrucks.
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Die eingescannte Reproduktion Kopie ist nicht sehr gut lesbar, aber vielleicht wird doch das wesent- liche erkennbar. Die gestrichenen Teile enthalten persönliche Informationen über mich.
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Einige Tage nach Absendung wurde ich gegen 8:30 -für einen Studenten in den Semesterferien sehr früh, ob katholisch oder nicht- durch einen Eilboten geweckt.
U.a. hatte ich Äußerungen von Direktor Berger wiedergegeben, neben der genannten Billigung des Konkubinates auch seine Ansicht, “die Beichte ist eine Form, die man nicht für alle verbindlich machen kann”; mein Beichtvater hatte mich mit Bibel- und Konzilstexten über die Notwendigkeit der Beichte versorgt, die aber auf ihn keinen Eindruck machten. Mein Hinweis auf Paulus Mahnungen gegen die Unzucht und auf die Verlobungszeit Josephs und Mariens als Modell für die christlichen Eheleute blieb ohne Erfolg: “Das NT meint mit Unzucht Götzendienst”, erklärte er kategorisch, und “hören Sie doch auf, in der Heiligen Familie war ja wohl wirklich nichts normal”. Quelle Petrus berichtete, daß im Haus nicht zur Beichte angeleitet würde und ein Priesteramtskandidat ihm gesagt hatte, er habe seit Jahren nicht mehr gebeichtet.
Ich habe dem Bischof geantwortet, daß ich natürlich für alle Aussagen geradestünde, und daß ich selbstverständlich Direktor Berger persönlich meine Beschwerden vorgetragen hatte: ich hatte ihm stets widersprochen -was er übel auffaßte, in seinen Augen war ich wohl ein unreifer fundamentalistischer Wirrkopf- und am Tag nach meinem Auszug hatte ich noch einen Termin bei ihm, in dem ich ihm auf den Kopf zusagte “dies ist ein völlig verkommenes und säkularisiertes Seminar”. Er reagierte erst staatsmännisch- überlegen “ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute”; erst als ich bereits im Treppenhaus war, hatten meine Worte gewirkt; er brüllte mir noch nach “hoffentlich kommen Sie woanders mit den Leuten besser zurecht !”. Dabei war ich mit Direktor Berger jedenfalls in guten Relationen -abgesehen von den theologischen Differenzen: er hatte sogar einem anderen Mitbewohner, meinem Zimmernachbarn (ein Freund von Johannes Breining hatte er wie dieser Abitur im Spätberufenenseminar in Bad Driburg nachgeholt, ging aber nicht mehr zur Kirche), der mich in der Küche tätlich angegriffen hatte, eine Abmahnung erteilt, wie ich dem Bischof dann schreiben konnte.
Als indirekten Zeugen hatte ich neben dem obigen Zitat und der Beschreibung einer Reihe von nicht leicht zu leugnenden öffentlichen Geschehnissen (z.B. daß das Opus Dei bei einem Informationsabend im Studienkolleg unter Beteiligung der Hausleitung in die Nähe einer Sekte gerückt wurde) die anonyme Quelle Petrus. Mein Beichtvater schärfte mir ein, seinen Namen nicht zu nennen “sonst liefern Sie ihn ans Messer”. Ich habe bis heute seinen Namen verschwiegen; ihm ist nichts geschehen und ist heute Priester der Diözese Essen.
Ich hätte leicht die Gespräche mit Direktor Berger heimlich auf Tonband aufzeichnen können; ich habe es damals aus zwei Gründen nicht getan: einmal wollte ich keine Stasimethoden anwenden. Aber der Hauptgrund war, daß ich nicht erwartet habe, daß aufgrund meines Briefes -eines kleinen Laien- die Hausleitung stürzen würde. Mein Anliegen war, eine Untersuchung zu veranlassen, die dann diese und viele andere Vorwürfe unabhängig von mir bestätigt hätte. Dann wäre aber nicht mehr ich der Verantwortliche für Sanktionen gewesen, sondern der untersuchende Bischof. Ich ging davon aus, daß bei einem “guten” Bischof mein Brief zur Auslösung einer solchen Untersuchung ausreichen würde ... und bei einem schlechten hätten auch Tonbandmitschnitte nichts bewirkt.
Ich hatte Priesteramtskandidaten genannt, die nach meinem Dafürhalten sowohl Nichtkatholiken waren als auch ungeeignet zum Priester, einer davon war der oben genannte Johannes Breining. Dabei habe ich nicht nur auf formale Rechtgläubigkeit geachtet sondern auch, ob sie eine -wie ich heute sagen würde- charakterliche Eignung im Sinne psychologischer Ausgeglichenheit und moralischer Lebensführung besaßen. Ein Beispiel: einmal kam ich nach Mitternacht heim -von der Abschlußfeier des Anatomiekurses- und hatte dabei einen der von mir als “ungeeignet” eingestuften Kandidaten überholt, der angetrunken etwas hinter mir hergrölte. Einer seiner beiden Begleiter, auch ein Seminarist, entschuldigte sich am Tag darauf bei mir dafür. Für die Kandidaten waren lediglich zwei Werktagsmessen pro Woche verpflichtend. Spiritual Heiermann hatte mir erläutert, daß die Kandidaten nicht täglich zur Messe gehen “könnten”, da sie das nie getan hätten und es zu viel für sie wäre. Bei dem genannten “Informationsabend” über das Opus Dei -moderiert von Studienpräfekt Bertsch, der mit “das umstrittene Opus Dei” einleitete- hatte der Opus Dei Priester -Richter an einem Diözesangericht- zugegeben, daß die tägliche Messe für seine Mitglieder verpflichtend ist; einer der Kandidaten erlitt daraufhin einen Wutanfall und wenigstens zwei andere waren äußerst unangenehm berührt. Laut Quelle Petrus gingen viele nur zu den beiden verpflichtenden Messen. Auch daher habe ich bei einigen weiteren Kandidaten hinsichtlich ihrer Eignung handfeste Zweifel angemeldet, aber auch einige als einen guten Eindruck machend empfohlen, obwohl man allen anmerkte, wie ich auch ausführte, daß ihnen ein “förderndes Milieu” gefehlt hatte: ein glaubenstreuer Kandidat kann in einem häretischen Seminar überleben - er wird aber beileibe nicht die menschliche, theologische und geistliche Ausbildung bekommen, die er als Priester haben sollte und auf die er übrigens ein Anrecht hat: z.B. Argumente für die Wahrheit der Bibel mehr oder zur Heiligkeit der Ehe mehr .
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Es ging mir darum, eine möglichst große Wirkung zu entfalten - darum habe ich Kopien des Briefes an einen größere Personenkreis versandt, vielleicht 2 Dutzend insgesamt. Den Prior der Zisterzienser von Stiepel, einen Priester der Diözesanstelle Berufe der Kirche, einige Priesteramtskan- didaten, die vor der Weihe standen und mir als vertrauenswürdig galten, zu Recht, sie gaben den Brief nicht an die anderen weiter, wenn auch einer, wie ich aus Hamburg und kurz darauf geweiht (er war schwerbehindert und ging an Krücken, weswegen ihn die Diözese Osnabrück zu der Hamburg damals gehörte, abgelehnt hatte), ihnen aber die Namen derer nannte, die von mir als ungeeignet bzw. zweifelhaft geeignet eingestuft wurden. In einem insgesamt freundlichen Schreiben äußerte er, es wäre schlechter Stil, Namen an den Bischof weiterzuleiten, ohne die Betreffenden vorher zu informieren. Ich kann nachvollziehen, daß er so dachte -er hatte ja auch die Reaktionen der Betroffenen vor Augen-, dennoch denke ich, damals richtig gehandelt zu haben: ich habe den Brief strikt geheim verfaßt, da ich jedes Risiko vermeiden wollte, daß er nicht Bischof Luthe persönlich zugeleitet wurde: der oben bereits erwähnte Generalvikar Heinemann wohnte mit im Studienkolleg; ich habe befürchtet, daß er, sofern er von dem Brief Wind bekommen hätte, ihn “rechtzeitig” abgefangen hätte. Es ergab sich, daß kurz darauf in der “Deutschen Tagespost” eine Diskussion über die Priesterausbildung begonnen wurde; auf Anregung meines Beichtvaters hatte ich diese kurz nach meinem Auszug aus dem Studienkolleg abonniert. Da ergab es sich, einen Teil des Briefes als Leserbrief zu veröffentlichen. Da die “Deutsche Tagespost” bezeichnenderweise im Studienkolleg nicht abonniert war (aber “Die Welt”, “Süddeutsche” und FAZ), habe ich das nicht als Provokation gesehen, sondern angenommen, daß der Leserbrief unbeachtet blieb, was allerdings nicht der Fall war. Der genannte Thorsten Rehberg schrieb erst einen Leserbrief im eigenen Namen und anschließend verfaßte “die” Kommunität (das heißt, die Mehrheit; die Minderheit der glaubenstreuen Seminaristen mußte sich angesichts der allgemeinen Stimmung bedeckt halten) durch ihn einen weiteren Leserbrief.
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Heute würde ich Leserbrief und Verbesserungsvorschläge etwas -aber nicht sehr viel- anders verfassen, nicht mehr die “Gemeinschaft der Seligpreisungen” empfehlen ... aber trotzdem die Grundidee aufrechterhalten: Bevor jemand Theologie studiert, sollte er erst fest im Glauben stehen. Und den Glauben “lernt” man durch die Beschäftigung mit der Bibel und dem Katechismus, durch das Kennenlernen der Zeugnisse von Gottes Allmacht z.B. der Sel. Anna Katharina Emmerick... und schließlich durch die Begegnung mit gläubigen Menschen. Die Idee zu einem Vorkurs hatte ich damals von der Priesterbruderschaft St. Petrus, von der ich damals gerade gehört hatte, daß ihre Seminaristen vor dem Studium ein “Spiritualitätsjahr” hatten. Übrigens war ich auch damals nicht so naiv zu glauben, meine Verbesserungsvorschläge würden befolgt werden. Ich habe sie deswegen geäußert, weil der Schwerpunkt des Briefes nicht auf Skandal und Anklage, sondern auf Aufbau und Konstruktion liegen sollte, auch wenn dann vor allem der Teil “Skandal und Anklage” wahrgenommen wurde.
Von Quelle Petrus und einem Freund, der Theologie studierte, hörte ich später, daß die Mehrheit der Priesteramtskandidaten vor Wut an der Decke waren. Ein oder zwei hatten erklärt, wenn sie mich nachts in einer dunklen Straße träfen, würden sie mir eine Tracht Prügel verpassen. Andererseits weiß ich von einem -einer von denen, die auf mich einen guten Eindruck gemacht hatten- daß sie mein Unternehmen billigten. Genauso äußerte sich mir gegenüber ein polnischer Priester, der in Bochum promovierte und im Studienkolleg wohnte. Direktor Berger dagegen äußerte sich überhaupt nicht, wie allgemein mit großer Verwunderung registriert wurde. Er hatte übrigens die Hausleitung nur sehr ungern übernommen und es war ohnehin geplant, daß er mit der Zusammenlegung von Priesterseminar und Studienkolleg wieder eine Pfarrei übernehmen würde.
Was hat das ganze Unternehmen bewirkt ? Schwer zu sagen. Was mich betrifft, habe ich mir sicherlich die Möglichkeit sehr beschränkt, jemals in einer deutschen Diözese Priester werden zu können - aber das will ich ja gar nicht; gerade diese Unabhängigkeit hatte mir mein Vorgehen erst ermöglicht. Jedes Engagement für Jesus Christus bringt natürlich Früchte; was die sichtbaren Resultate angeht würde ich sagen, daß ich mit dazu- beigetragen habe, daß ein oder zwei völlig Ungeeignete nicht geweiht wurden. Und daß ich der Handvoll glaubenstreuer Kandidaten den Rücken gestärkt habe. Was darüber hinausgeht, ist schwer abzuschätzen; Quelle Petrus berichtete mir, daß die antikirchliche Indoktrination im letzten Jahr der Amtszeit von Direktor Berger noch schlimmer wurde - wußte die Hausleitung doch die große Mehrheit der Kandidaten hinter sich.
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Und die Folgen ? Bereits während der Amtszeit von Direktor Berger war die Zahl der Priesteramtskandidaten um 60% zurückgegangen, was ich Bischof Luthe auch geschrieben hatte. Kaum 15 Jahre später ist die Diözese Essen -erst 1958 von Kardinal Hengsbach, dem Vorgänger Bischof Luthes, gegründet - am Ende. 40 Jahre Konzilskurs haben gewirkt.
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Bischof Genn: Geistliche Dimension gegen Kirchenkonkurs
“Warum hat mir der Herr dieses zugemutet?“, bemerkte der Essener Bischof zur finanziellen Lage in seinem Bistum. Meinerzhagen (www.kath.net) Die Zukunft eines Bistums hängt nicht nur von der wirtschaftlichen Situation ab. Das betonte der Bischof von Essen, Felix Genn, bei einem Jubiläumsempfang im Jugendheim St. Marien, wie die Meinerzhagener Zeitung berichtete. „Die wirtschaftliche Situation in unserem Bistum stellt sich so dar, daß ein Unternehmen, wäre es an unserer Stelle, Konkurs anmelden müßte“, lautete seine Bilanz. Als er nach 27-jähriger Tätigkeit im Bistum Trier nach Essen kam, habe er gemeint, er komme in ein reiches Bistum. „Doch heute frage ich mich, warum hat mir der Herr dieses zugemutet?“ Eine ganz bestimmte Form von Kirche sei heute zu Ende. Nun ist die Kirche gerufen, ihre geistliche Dimension zu leben: Sie müsse ein Klima schaffen, wo die Menschen ihr Christsein leben können und Orte zur Verfügung stellen, „die den Menschen Heimat geben“, sagte der Bischof. Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=11844 vom 29. 10. 2005
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Glaubenslose, aber intellektuell geschulte Priester und Theologen haben bestimmte Argumentationstechniken: Direktor Berger versuchte mich zu destabilisieren, indem er mich als “fundamentalistisch” oder “psychisch gestört” hinstellen wollte, als Außenseiter (was übrigens soziologisch zutraf; das Studienkolleg repräsentierte den geistlichen Zustand der Diözese; mittlerweile sieht man folgerichtig den auch finanziellen Zusammenbruch) und, was sehr wirksam war, gab sich väterlich- besorgt um mich.. Meinen Argumenten begegnete er mit Gegenargumenten, oft lächer- lichen ... sein Ziel war schon erreicht, wenn er mich verunsicherte, meine Auffassung könnte falsch sein. Er selber vermied soweit irgend möglich, klare Positionen zu beziehen (es war nicht einfach, ihn auf die obigen Aussagen “festzunageln”) und es genügte ihm, die katholische Position als “eine unter vielen” hingestellt zu sehen. Verweisen auf autoritative Dokumente -z.B. dogmatische Lehr- definitionen oder päpstliche Schreiben- begegnete er, indem er ihnen -meist rhetorisch sehr geschickt- die letztverbindliche Autorität absprach: die Aussageabsicht sei nicht normativ, es gebe die Gewissensentscheidung des Einzelnen, das Dokument sei auf den historischen Entstehungskontext beschränkt und so weiter. Spiritual Heiermann dagegen begann stets sich über echte oder vermeintliche massive Fehler der vorkonziliaren Kirche zu verbreiten, die dahinterstehende Message war “auch die Lehre der vorkon- ziliaren Kirche ist falsch”.
Meine Debatten mit Direktor Berger und Consorten fanden noch vor Erscheinen des neuen Weltkatechismus statt, als es während 25 Jahren de facto keine Lehre der Kirche gab: im allgemeinen Bewutsein waren die vorkonziliaren Katechismen alle ungültig, neue gab es nicht ... und als Laie und Nichttheologe hatte ich nicht die Möglichkeit, aus den entsprechenden -mir meist unbekannten- Originaldokumenten die kirchliche Lehre zu entnehmen. Das würde mir auch heute nicht leichtfallen, aber heute würde ich mich auf die Summa theologiae von Thomas von Aquin berufen. Nicht nur wegen ihrer überragenden Autorität, sondern noch mehr, weil der Hl. Thomas alle denkbaren und undenkbaren Argumente zugunsten einer Wahrheit des Glaubens und der Sitten anführt Bezeichnenderweise war von ihr in Studienkolleg und Fakultät keine Rede; in der Bibliothek stand nicht einmal eine brauchbare Ausgabe.
Rechts: Lernen SIE das Leben Jesu in Bildern kennen mehr
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