Theologisches 14

Wolfgang B. Lindemann, Rezension von Wilhelm Overhoff “Ungebundene Beobachtungen zum alten und neuen Zeitgeist”, Theologisches, Jahrgang 35, Nr. 6, p. 449- 450 (Juni 2005)

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Wilhelm Overhoff „Ungebundene Beobachtungen zum alten und neuen Zeitgeist“ AT Edition Münster 2004, 246 Seiten   ISBN 3- 89781-072-7  10.90 €  

Evolutionskritik aus katholischer Perspektive ? Ausführlich auf www.theologie-biologie.eu

Weisheit eines Lebens, könnte man dieses Büchlein zusammenfassen. Bittere Weisheit; in seiner Jugend sah der Autor, 1933 geborener Ingenieur aus Dülmen bei Münster, blühende kirchliche Landschaften, wo jetzt rauchende Ruinen sind.

Bis 85% Sonntagsmeßbesuch in der Hitlerzeit (p. 5), dann Abfall und erneuter Anstieg bis zu 73% 1965 (p. 91f)  – in katholischen Gegenden wie dem Münsterland ging jeder zur Messe: „Wenn jemand seinerzeit seine Sonntagspflicht nicht erfüllte, galt er als Egozentriker, den man doch weitgehend mied“ (p. 1). Fast jedes katholischen Haus hatte eine blumengeschmückte Herz- Jesu oder Herz- Marienfigur (p. 164), man betete abends „Müde bin ich, geh zur Ruh’“ oder zum Schutzengel und normale katholische Mütter waren tiefgläubig (p. 105f). „(Es) galt trotz Aufklärung, Freimaurertum, Nationalsozialismus und Marxismus im großen und ganzen Gott als Schöpfer des Lebens. Seine Gebote wurden auch weitgehend gehalten, z.B. ‚Gedenke, dass du den Sabbat heiligst. Du sollst nicht die Ehe brechen.“ (p. 91) und vor Beichtstühlen waren Schlangen (p. 154)

Overhoff will in 2 Leitmotiven Gründe verstehen und Heilmittel geben:

1. Die Evolutionstheorie ist Ursache der Zerstörung.„Damals gab es nur ein Fernsehprogramm. Beliebt waren nicht zuletzt die naturkundlichen Sendungen an Sonntagnachmittagen. Weil alles so neu war, saß die Nation zu dieser Zeit vor dem Fernsehgerät. Hier wurden immer wieder die genialen Leistungen des Schöpfers herausgestellt, bis es dann zu einem verhängnisvollen Paradigmenwechsel kam durch die einseitige und ausschließliche Verbreitung der Philosophie des Evolutionismus durch den gottlosen Prof. Haber. Der bisher geglaubte Schöpfergott wurde nun lupenrein verschwiegen, alles mechanisch durch Zufallsmutation und Selektion gedeutet und erklärt.“ (p. 91f): Im evolutionären Kontext sind Sündenfall, Erbsünde und Erlösung nicht mehr haltbar (p. 216, p. 145), die Bibel vielfach unwahr (p. 146).

Folglich gibt er Argumente gegen die Evolutionstheorie, vor allem Wahrscheinlichkeitsabschätzungen.

Zweites Leitmotiv ist das Ad-absurdum-Führen des Relativismus durch die Ethik: „Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Habgierige, keine Trinker, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes erben“, so zitierte Papst Johannes Paul II.  Paulus in der Generalaudienz am 6. 12. 2000. (p. 163). Werden solche Menschen unbekehrt in den Himmel gelangen und dann folglich auf ewig andere Menschen –Gerechte- mißhandeln dürfen ?

Overhoff versteht, warum die Evangelien Jesu Macht berichten: p. 199f „Wunder und Zeichen haben eine Funktion vergleichbar der notariellen Beglaubigung. Beglaubigt wird primär die Botschaft Christi, nämlich dass Gott lebt, alles sieht, hört und kann.“ Deswegen geschieht dies bis heute, wie in Fatima oder bei Pater Pio (p.189- 208).

Mehr Belege wären wichtig, so für das 750 000.- DM Jahresgehalt eines Caritasdirektor (p. 74) oder daß 50% der Gregoriana- Studenten Rahner für den größten Theologen halten (p. 147). Texte, die ich kenne, sind allerdings richtig zitiert (z.B. der evolutionskritische Vortrag von Kardinal Ratzinger an der Sorbonne p.215), und kleinere Ungenauigkeiten verzeihlich z.B. heißt der Ort des Massakers der Revolutionäre in der Vendée Les Lucs-sur-Boulogne, es wurden dort 110 Kinder unter 8 (nicht 7) Jahren ermordet und in meiner Heimatstadt Hamburg durften 1900 sehr wohl Katholiken wohnen.

Ein Lebenszeugnis –darum fehlt etwas der rote Faden-, das die Kirchenkrise verstehen hilft.

C) Homepage von Wolfgang Lindemann aus Hamburg

WL (li) bei Herrn Overhoff zu Gast (re, mit Buch)

Charles Darwin
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(erstellt vonMitarbeitern der Studiengemeinschaft Wort und Wissen)

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