Theologisches 17

Der folgende Artikel ist von mir nach Vorabsprache auf ausdrücklichen Wunsch der Herausgebers David Berger für die Zeitschrift “Theologisches” geschrieben worden und war für das Erscheinen im Herbst 2006 vorgesehen. Aufgrund Wortbruch und anderem inakzeptablen Verhalten seitens Davids Bergers erschien er nicht nur nicht, sondern ich habe begreifen müssen, daß nach vielen Jahren konstruktiver Mitarbeit ich aus heiterem Himmel aus dem Autorenkollegium von “Theologisches” “herausgeflogen” bin - einfach so.
Im Detail: Ich hatte auf der Seite eines unabhängiges katholisches online- Nachrichtendienstes einen Artikel unter meinem Namen veröffentlicht, der sich kritisch mit der Evolutionstheorie befaßt, im selben Stil, wie ich schon vorher über diese Thematik gelegentlich in “Theologisches” geschrieben hatte, der Artikel ist hier einzusehen und bietet keinen Bezug zu David Berger oder zu “Theologisches” (Das Thema kann also nicht der Grund gewesen sein). Wie es bei diesem Nachrichtendienst üblich ist, war der Artikel nur einige Stunden auf der Eingangsseite sichtbar. Der Nachrichtendienst hat später über das Verhalten von David Berger hier und hier berichtet sowie freundlicherweise mir die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben hier.  Bilden Sie sich am besten ein eigenes Urteil, ob David Berger charakterlich als Herausgeber für “Theologisches” geeignet ist.

Michael Brandt, Wie alt ist die Menschheit ? Demographie und Steinwerkzeuge mit überraschenden Befunden. Studium Integrale, Hänssler- Verlag 2006, 158 p., ISBN 3-7751-4487-0

Lesen Sie eine längere Darstellung des Themas hier !

„Das Alter der Menschheit wird allgemein auf etwa 2 Millionen Jahre geschätzt. Diese Altersangabe basiert auf radiometrischen Datierungen der geologisch ältesten bekannten Knochenüberreste des echten Menschen“ (p. 9) leitet mein Kollege Brandt, hauptberuflich Oberarzt für Radiologie, sein neues, evolutionskritisches Werk zur behaupteten Humanevolution ein, das im Rahmen der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ entstanden ist1.

2 Millionen Jahre –eine Ewigkeit- würde also die biblische Urgeschichte von dem Beginn der Heilsgeschichte mit Abraham trennen; selbst bei einer sehr niedrigen Weltbevölkerung von vielleicht nur einer Million Menschen während dieser Zeit würde der größte Teil der Menschheit durch Äonen getrennt von Jesus Christus und den Propheten des Alten Bundes gewesen sein, mit entsprechenden Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit der Bibel und den anzunehmenden Heilswillen Gottes. „Im Vergleich mit der nur einige tausend Jahre währenden Zivilisationsgeschichte stellt die Millionen Jahre umfassende Vorgeschichte der Menschheit eine ungeheuer lange Zeitepoche dar – ein Sachverhalt, der immer wieder großes Erstaunen hervorruft“ fährt Brandt fort (p. 9): „Falls die radiometrischen Daten die Realität wiedergeben, müssen unabhängige Altersabschätzungen ähnliche Altersangaben hervorbringen. Zwei Themen bieten sich für diese Untersuchung an: die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums und die Menge an hinterlassenen Steinwerkzeugen (...) Außerdem werden bekannte und zu erwartende Fundplatzzahlen diskutiert“ (ibidem).

Radiometrische Altersbestimmungen z.B. nach der 14C- Methode basieren auf Annahmen über die (unbekannte) Anfangskonzentration der gemessenen radioaktiven Substanzen oder die zeitlich unveränderte radioaktive Zerfallskonstante2 und müssen lange Alter liefern, damit die Entstehung der Menschheit durch Evolution3 überhaupt plausibel ist.

In historischer Zeit –seit etwa 4000 Jahren- ist die Weltbevölkerung insgesamt beständig gewachsen, bis etwa 1600 jährlich um 0.15 bis 0.3%, seitdem hat sich die jährliche Wachstumsrate auf über 2% erhöht. Brauchbare Abschätzungen ergeben für das Ende der Altsteinzeit vor 10 000 Jahren 5 bis 10 Millionen Seelen.

Mit einem Taschenrechners ist auszurechnen, daß bei einer Ausgangpopulation von 2 Menschen und einem jährlichen Wachstum von nur 0.1% diese Zahl bereits nach 15 000 Jahren erreicht ist. Ein evolutionistischer Fachwissenschaftler schrieb 2001: Given what we know about our reproductive capacity and survival under worst conditions, it is puzzling that there were so few of us so much of our history“ (p. 26).

Das Problem verschärft sich erheblich, bei Betrachtung heutiger unter Steinzeitbedingungen lebender Menschen –sogenannte Wildbeuter- und faktenbasierten Nachdenkens über die steinzeitlichen Lebensverhältnisse.

Heutige Wildbeuter leben in ungünstigen Randgebieten (Urwälder, Wüsten). Ihr Bevölkerungswachstum hängt ab von der Geburtenrate und der Überlebensrate; die meisten Geburtenraten liegen um 6, die höchste haben die Ache- Frauen im Urwald Paragays mit 8, die niedrigste die Frauen der Elfe- Pygmäen aus Zaire mit 2.6 während ihres Lebens geborenen Kindern. Die Überlebensrate bis zum 15. (50.) Lebensjahr variiert zwischen 66% (43%) bei den Ache und 51% (21%) bei den philippinischen Agta. Wildbeuter, die wie die Ache oder die Yanonamama in Amazonien günstige Bedingungen vorfinden –ein menschenleeres, ressourcenreiches Gebiet, was im 20. Jahrhundert durch Untergang mehrerer Nachbarstämme der Fall war- wachsen jährlich bis zu 2.5% (Ache) bzw. um 0.5- 1% (Yanonamama). Bei einer Ausgangspopulation von nur 100 Menschen wären die 5- 10 Millionen am Ende der Altsteinzeit in 500 bzw. 1000 Jahren erreicht,ein krasserer Gegensatz zu den radiometrisch (und evolutionär !) postulierten 2 Millionen Jahren ist nicht vorstellbar, paßt aber sehr gut zu den biblischen Berichten ...

Die Lebensverhältnisse in der Altsteinzeit sollte man nicht zu trübe zeichnen. Die menschenleere Erde hatte mit riesigen Großvieherden für Jäger gedeckte Tische. Die Körpergröße, Indikator der Ernährung, war nach Skelettfunden vergleichbar der heutigen und größer als z.B. im Mittelalter (wo trotzdem die Bevölkerung wuchs) oder bei rezenten Wildbeutern. Die Nahrungsversorung verschlechterte sich in der Mittel- und Neusteinzeit, indirekt an den Skeletten oder den erlegten Beutetieren ablesbar (vermehrt kleinere Tiere), weil und während die Bevölkerung wuchs und so schließlich der Übergang zur Landwirtschaft notwendig wurde.

Die evolutionistische Fachwelt versucht, das fehlende Bevölkerungswachstum zu erklären. Die Theorie der häufigen Kindstötung wurde wegen fehlender fossiler und humanethologischer Evidenzen aufgegeben.

Man diskutiert periodische Zusammenbrüche der Weltbevölkerung, nicht nur einmal wie im 14. Jahrhundert durch die Pest in Europa und die Kavalleriedivisionen Dschingis Khans in Asien, sondern (zehn-?) tausendfach. Es gibt Belege für militärische Auseinandersetzungen schon bei Neandertalern. Niedrige Bevölkerungszahlen und damit nur kleine Truppeneinheiten, ungenügende Logistik, wenig Mobilität und Aufklärungsmöglichkeiten (noch keine Kavallerie !) bei sehr niedriger Siedlungsdichte (und so auch fehlender Kontakt !) lassen förmliche Vernichtungskriege, wie sie Hochkulturen führen, unmöglich erscheinen; aus analogen Gründen scheiden Seuchenepidemien, einschließlich Geschlechtskrankheiten, als Ursache aus.

Wer „Steinzeit“ mit „primitiv“ oder „dumm“ gleichsetzt, dem sei der Besuch eines amerikanischen Indianerreservates geraten oder vielleicht zu einem populären Winnetou- Film, ein Steinzeitmensch. Kulturelle Leistungen von Steinzeitmenschen sind z.B. Höhlenmalereien, Hochleistungsspeere, Hochseeschiffahrt und natürlich die Werkzeugherstellung. Neben der unerklärlichen kulturellen Stagnation über Jahrhunderttausende klafft eine gewaltige Lücke zwischen zu erwartenden und tatsächlichen Fundzahlen von Steinwerkzeugen oder Lagerplätzen. Wenn basierend auf Abschätzungen heutiger Wildbeuter wenigstens 10 000fach weniger Werkzeuge gefunden werden, als selbst vorsichtigste Rechnung erwarten ließe, sollte das schon zu denken geben. Dazu andere Ungereimtheiten: z.B. wurden durch keine markanten Geländemerkmale unterscheidbaren Lagerplätze in einer ansonsten eintönigen Landschaft über Jahrzehntausende mit Pausen von –angeblichen- Jahrtausenden immer wieder aufgesucht (aber nicht die Umgebung) ... all das erklärt sich eigentlich viel besser mit einer kurzen Dauer der Alt- und auch der Mittel- und Neusteinzeit; einige Jahrhunderte, vielleicht tausend Jahre Altsteinzeit, aber nicht Jahrmillionen ! Das würde sicherlich die Evolutionstheorie „kippen“, aber viele Probleme für die alttestamentliche Exegese lösen und käme auch der Linguistik entgegen: alle bekannten Sprachen verlieren seit es Sprachaufzeichnungen gibt –etwa 5000 Jahre- an grammatischer Komplexität, vom Latein zu den romanischen Sprachen, vom Griechisch Homers über klassisches Attisch und die Koiné zum Neugriechisch, überall, weltweit4. Wegen der begrenzten Leistungsfähigkeit unseres Gehirns kann jedenfalls die sprechende Menschheit so alt nicht sein. Einziger Wehrmutstropfen dieses großartigen, Gott den Schöpfer ehrenden Werkes, ist seine Entstehung: selbstverständlich nicht als Forschungsergebnis einer nachkonziliaren katholischen Universität, sondern unter bibeltreuen Protestanten. Parce nobis Domine !

Dr. med. Wolfgang B. Lindemann
2, rue de l’École
F – 57720 Walschbronn

 

Anmerkungen

1 vom gleichen Autor: Gehirn – Sprache – Artefakte. Fossile und archäologische Zeugnisse zum Ursprung des Menschen, Hänssler- Verlag, 152 p., ISBN 3-7751-3547-2 sowie von: Der Ursprung des aufrechten Ganges. Zur Fortbewegung der plio- pleistozänen Hominiden, Hänssler- Verlag, 168 p., ISBN 3-7751-2357-1, beide in der Reihe „Studium Integrale“ von „Wort und Wissen“ www.wort-und-wissen.de erschienen.

2 näheres z.B. bei Uwe Zerbst, Die Datierung archäologischer Proben mittels Radiokarbon (14C). Teil I: Grundlagen, Studium Integrale Journal, 5. Jahrgang, Heft 1, p. 17- 28  (April 1998) ; idem, Datierung mittels Radiokarbon (14C). IIa, Studium Integrale Journal, 5. Jahrgang, Heft 2, p. 57- 69  (September 1998), idem, Datierung mittels Radiokarbon. IIb, Studium Integrale Journal, 6. Jahrgang, Heft 1, p. 19- 31  (März 1999)

3 zu deren theologischen und philosophischen Implikationen siehe Wolfgang B. Lindemann, Ist die Evolutionstheorie gleichgültig für die katholische Religion ?, Theologisches, Jahrgang 30, Nr. 5/6, p. 175-186 (Mai/ Juni 2000) online verfügbar unter www.wolfganglindemann.net/html/theologisches_3.html sowie Wolfgang B. Lindemann, Karl Rahner und die Evolutionstheorie, Theologisches, Jahrgang 34, Nr. 4/5, p. 233- 242 (April/ Mai 2004) online verfügbar unter www.wolfganglindemann.net/html/theologisches_11.html

4 näheres in Wolfgang B. Lindemann, Rezension von Roger Liebi "Herkunft und Entwicklung der Sprachen. Linguistik contra Evolution“, herausgegeben von der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, Hänssler-Verlag Holzgerlingen 2003, ISBN 3-7751-4030-1, Theologisches, Jahrgang 34, Nr. 2, p. 121- 126 (Februar 2004) online verfügbar unter www.wolfganglindemann.net/html/theologisches_10.html

 

Unten: Winnetou und seine Schwester Ntscho- schi. Kulturell in der Steinzeit,  Menschen wie wir.

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