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Das kürzlich erschienene Buch „Schöpfung Ein göttlicher Plan“ verdient die Aufmerksamkeit der Leser von Theologisches. Nachdem es auf dem deutschen Büchermarkt durch die Arbeit der von evangelischen Christen gegründeten Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ eine größere Zahl evolutionskritischer Werke gibt, die sich entweder auf fachliche Argumentation beschränken oder evangelikale theologische Positionen vertreten1, ist jetzt das erste größere evolutionskritische Werk aus katholischer Autorenschaft erschienen.
Sein Autor H.H. Pater Johannes Grün, geboren 1960 in Aachen, studierte 2 Jahre bis zum Physikum Medizin, trat dann einer Ordensgemeinschaft bei und wurde nach Philosophie- und Theologiestudium 1986 Priester. Seitdem hat sich P. Grün neben der mühseligen Arbeit in der Pfarrseelsorge, derzeit in Luzern und Zug, dort immer wieder unterstützt von seinem Bruder, ebenfalls Priester im selben Orden (sein 3. Bruder ist auch Priester und in Norddeutschland tätig, der 4. Bruder ist Arzt) mit Evolution und Kreationismus befaßt, sowohl naturwissenschaftlich als auch philosophisch und theologisch. Das jetzt veröffentlichte Buch wurde von ihm Ende 1996 begonnen. Autor dieser Rezension hat P. Grün bei der Abfassung des Buches als Korrekturleser beigestanden und zeichnet für die Richtigkeit der biologischen Kapitel mitverantwortlich.
Das letzte Kapitel des Buches ist eine philosophische Erörterung der Evolutionstheorie und verfaßt von P. Grün’s Mitbruder H.H. Pater Herrmann Weinzierl, derzeit in der Seelsorge in Nordbaden tätig.
P. Grün’s Anliegen ist es, wie er dem Rezensenten immer wieder lebhaft erläuterte, zu zeigen, daß ein liebender Gott nicht durch einen Schöpfungsmechanismus von brutaler Gewalt und „survival of the fittest“ schaffen kann. Der Christus der Evangelien, durch den nach dem Zeugnis der Bibel „alles geschaffen ist“ (Joh. 1,3 u.a.) kann nicht der Schöpfer der Evolution sein.
Inhaltlich geht das Buch auf sämtliche Aspekte von naturwissenschaftlicher wie philosophisch-theologischer Evolutionskritik ein. Nach einer Beschreibung des Evolutionsgedanken in der Geschichte der Menschheit folgt als erstes naturwissenschaftliches Kapitel „Geologie und Evolution“. Nach einer Einführung in die Geschichte der Geologie wird die Sintflutproblematik erörtert, Fragen der Fossilbildung, des Erdalters und der Erddatierungsmethoden, sowie das Scheven’sche Modell der Kohleentstehung werden dem Leser vorgestellt.
Um die Ausführungen von Pater Grün besser bewerten zu können, soll kurz der Begriff des „methodischen Atheismus“ in der Naturwissenschaft und dessen Folgen erörtert werden: Naturwissenschaftliche Forschung postuliert (völlig zurecht !) das ausschließliche Wirken natürlicher Ursachen, übernatürliche Ursachen werden à priori ausgeschlossen, es wird beispielsweise von vorneherein abgelehnt, daß Gott die Ergebnisse eines im chemischen Laboratorium durchgeführten Experimentes beeinflusse. Die konsequente Anwendung dieses Postulates ist eine der Ursachen für die enormen Erfolge naturwissenschaftlicher Forschung und Technik. Auch aus Sicht der katholischen Theologie rechtfertigt es sich, da Gott Gesetzmäßigkeiten in Seine Schöpfung gelegt hat. Problematisch wird lediglich die Verabsolutierung dieses Prinzipes, das heißt zu sagen, es gäbe ausschließlich innerweltliche Ursachen für innerweltliche Ereignisse. Die Auferstehung Christi, Ereignisse wie in Lourdes oder Fatima sind klassische Gegenbeispiele für einen zum weltanschaulichen Atheismus verabsolutierten methodischen Atheismus2. Die Geologie ist nun ein Bereich, in dem Konflikte vorprogrammiert sind: ein nach den Grundsätzen des methodischen Atheismus arbeitender Theologe wird von vorneherein religiöse Schriften (wie die Bibel) als Erkenntnisquelle ablehnen. Umgekehrt ist, bei Festhaltung der vom kirchlichen Lehramt bis in neueste Zeit immer gelehrten auch historischen und naturwissenschaftlichen Zuverlässigkeit der Bibel3 damit zu rechnen, daß in der Bibel berichtete Ereignisse auch historisch oder geologisch faßbare Spuren hinterlassen haben. Namentlich ist es vorstellbar, daß eine weltweite Sintflut entsprechende Ablagerungen zurückließ4. Das ist analog zu den naturwissenschaftlich faßbaren Spuren der Auferstehung Christi auf dem aller Wahrscheinlichkeit nach echten Turiner Grabtuch. Solche Spuren einer Sintflut werden von einem methodisch-atheistisch arbeitenden Geologen wohl wahrgenommen, aber möglicherweise anders erklärt werden. Er unterliegt hier einer „Betriebsblindheit“, die sich aus der Anwendung des an sich berechtigten Prinzipes des methodischen Atheismus ergibt. Forschungsergebnisse dieser Geologie werden in unserem Ausbildungssystem gelehrt, ohne daß diese Einschränkung ihrer Gültigkeit problematisiert wird. In einem weiteren Schritt neigen katholische Exegeten dazu, diese Ergebnisse „der Wissenschaft“ zu übernehmen, festzustellen „daß die Bibel ja naturwissenschaftlich nicht wahr sei“ – und entsprechend, unter Bruch traditioneller und kirchenamtlich abgesicherter Lehrmeinungen, die biblischen Berichte zu allegorisieren oder sonstwie umzuinterpretieren. Dieses Phänomen gewinnt in der heutigen Zeit noch einmal besondere Relevanz, ist doch die an theologischen Fakultäten betriebene Exegese generell durch eine Angleichung an den Zeitgeist, durch Anwendung derselben textkritischen Methoden, die in den profanen Geisteswissenschaften üblich sind und konsekutive Leugnung selbst elementarster Wahrheiten der katholischen Religion gekennzeichnet, auch kirchenamtliche Publikationen sind davon gezeichnet. Man wird Pater Grün des „Fundamentalismus“ zichtigen, wenn er an der historischen Wahrheit der Bibel festhält gegen „Erkenntnisse der Naturwissenschaft“ – und dabei vergessen, daß aufgrund des methodischen Atheismus in bestimmten Bereichen die Naturwissenschaft in Gefahr gerät, unrichtige Ergebnisse zu liefern.
Drei Kapitel sind der biologischen Evolution gewidmet, so grundlegende kreationistische Konzepte wie das Grundtypmodell werden eingeführt. Die Schwächen der Evolutionstheorie werden auf den verschiedensten Ebenen gezeigt, angefangen von der Frage der Entstehung „von selbst“ von Leben in der sogenannten Ursuppe. Es wird besprochen, ob und wieweit eine weitere autonome „Evolution“ wie auch immer entstandener Einzeller zu Mehrzellern, Pflanzen, einfachen und immer komplexeren Tieren möglich erscheint. P.Grün’s Antwort ist, daß dies nicht möglich erscheint.
Im Bereich der biologischen Evolution bespricht P. Grün auch den Ursprung von Krankheit. Hier zeigt sich eine zur Geologie analoge Problematik: Naturwissenschaft ist aufgrund ihres „methodischen Atheismus“ blind für außernatürliche Ursachen natürlicher Ereignisse. Krankheit und Leiden können daher im naturwissenschaftlichen Rahmen nicht anders als eine „notwendige Folge der Evolution“ erklärt werden, seit einigen Jahren wird systematisch das neue Forschungsgebiet der Evolutionsmedizin entwickelt5. Die traditionelle Lehre der Kirche ist, daß Krankheit und Tod eine Folge des Sündenfalls sind, diese Lehre wird im neuen Weltkatechismus noch einmal wiederholt6. Wird dagegen diese Begrenztheit von Naturwissenschaft vergessen und ihre Ergebnisse folglich als „vorbehaltlos richtig“ gesetzt (und das biblische Zeugnis dementsprechend konsequent als falsch angesehen !), ergeben sich Stellungnahmen wie die folgende aus dem „Deutschen Erwachsenenkatechismus“ der Deutschen Bischofskonferenz von 1985: „Das will selbstverständlich nicht sagen, daß der paradiesische Mensch sein irdisches Leben einfach ins Endlose weitergelebt hätte, wenn er nicht gesündigt hätte. In unserer endlichen Welt ist Leben ohne Tod biologisch gar nicht denkbar. Aber der Bibel geht es nicht um den biologischen bzw. medizinischen Tod, sondern um die konkrete personale Todeserfahrung des Menschen ...“ 7 In der Tat, in unserer Welt ist Freisein von Tod biologisch undenkbar – aber die Bibel spricht von einer anderen Welt und anderen Naturgesetzen vor dem Sündenfall. Aber darüber kann natürlich die Naturwissenschaft aufgrund ihres methodischen Atheismus und ihrer Beschränkung auf diesen Äon keine Aussage machen. Die Flucht in die Spiritualisierung und Allegorisierung ist nicht unausweichlich !
Ein weiteres Kapitel befaßt sich mit der Stellung und den evolutionären Theorien über die Herkunft des Menschen. P. Grün zeigt die ganze Unzulänglichkeit der evolutionistischen Theorien auf. Im Anschluß an die Arbeit von „Wort und Wissen“ identifiziert er den Homo erectus Fundkomplex und den Neandertaler als echte Menschen, „Homo“ habilis und Australopithecus stellt er zu den Großaffen. Er hat den Mut, theologische „Kompromißvorschläge“ zu Ende zu denken, mit denen die Evolutionstheorie mit der katholischen Religion versöhnt werden soll. So stellt er die Frage, wie es konkret vorzustellen sei, daß Gott ein Tier so lange evolvieren ließ, bis es körperlich ein Mensch war: Denn dann müsse Er aus dieser Tiergruppe ein Paar genommen haben um ihm eine Geistseele einzuhauchen. Es gab dann also während einer Übergangszeit 2 genau gleich aussehende Arten von Lebewesen: Menschen und eine einen menschlichen Körper besitzende Tiergruppe. Die letztere muß dann auf irgendeine Art und Weise ausgerottet worden sein, sonst gäbe es sie ja heute noch. Vertreter theistischer Evolutionstheorien bespötteln gelegentlich die ihnen „naiv“ erscheinenden traditionellen Lehrmeinungen der katholischen Kirche. Die Gedanken von Pater Grün können zeigen, daß auch theistisch-evolutionäre Evolutionsentwürfe nicht frei von Absurditäten sind. P. Weinzierl weist in seinem Nachwort weiter darauf hin, daß ein menschlicher Körper z.B. mit aufrechtem Gang, Greifhand und entsprechender manueller Geschicklichkeit nur Sinn macht bei einem menschlichen Geist, der sich dessen auch zu bedienen weiß, es ist also widersprüchlich anzunehmen, das eine hätte ohne das andere evolvieren können und damit ist dieser Kompromißversuch einer theistischen Evolutionstheorie nicht haltbar.
Das letzte naturwissenschaftliche Kapitel behandelt die Urknallproblematik und das Alter des Universums, P. Grün begibt sich dabei auf ein Gebiet das fachlich zu beurteilen die Kompetenz des Rezensenten nicht hinreicht. Jedenfalls versucht P. Grün in bewährter Manier der Zitierung einschlägiger, im Rahmen von Wort und Wissen arbeitender Autoren, in diesem Falle vor allem des Astrophysikers Dr. Norbert Pailor, die derzeitige Schulmeinung über den Urknall und das Alter des Universums in Frage zu stellen, ohne allerdings in den Fehler eines Fundamentalismus zu verfallen und die Erde nach Auszählung der (offenbar Glieder auslassenden !) biblischen Stammbäume nur einige tausend Jahre alt sein zu lassen.
Immerhin ist anzumerken, daß bei der „Eichung“ der geologischen und astrophysikalischen Zeitmeßmethoden, die zu Beginn des 20. Jahrhundertes erfolgte, offensichtlich Schlüsse der Form „Wir wissen ja von der Evolutionstheorie, daß die Erde/ daß dieses Gestein mit diesen „noch“ sehr „primitiven“ Fossilien sehr alt sein muß“ (die Evolutionstheorie muß notwendig sehr lange Zeiträume postulieren, um denkbar zu erscheinen) gezogen wurden. Die extreme Spezialisierung der modernen Naturwissenschaft spielt heute sicher eine Rolle bei der Akzeptanz der Evolutionstheorie: Fachleute, die in ihrem Gebiet Fakten vorfinden, die sich eigentlich nicht evolutionär erklären lassen, werden dies zurückstellen, da das Gesamt der anderen Fachgebiete, deren Argumente sie nicht beurteilen können, Evolution ja zu beweisen scheint: Der Geologe, hingewiesen auf geologische Argumente gegen die Evolution, wird sagen „aber die Biologie, die Paläontologie, die Molekularbiologie belegen ja auch Evolution“. Werden ihm biologische, paläontologische und molekularbiologische Argumente gebracht, wird er sie nicht zu bewerten wissen und auf die jeweiligen „Experten“ des Feldes verweisen. Analog werden ein Biologe, ein Paläontologe etc. reagieren, und da die Annahme eines Schöpfers heute als à priori irrational gilt, werden sie wahrscheinlich allesamt über den „rückständigen Fundamentalisten“ lachen . Die Stärke von P. Grün’s Buch ist es darum, alles gesammelt zu haben, was in den verschiedenen Disziplinen an Evolutionskritik erarbeitet wurde, ein solches Werk, das zugleich auf theologische und philosophische Aspekte eingeht, existiert in Deutschland derzeit nicht, auch nicht bei der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“. Quis habet aures audiendi audiat !
Im theologischen Teil wird auf der Basis des traditionellen katholischen Glaubens gezeigt, daß die Evolutions-theorie nicht gleichgültig für den Christen ist8. Es werden päpstliche Lehrschreiben angeführt, die neuesten sind aus der Mitte des 20. Jahrhundertes, die die Irrtumslosigkeit der Bibel auch in naturwissenschaftlichen und historischen Fragen einschärfen. Es ist nicht mehr zu leugnen, daß sich die katholische Kirche in einer schweren Krise befindet, die sich auf allen Ebenen kirchlichen Lebens auswirkt und beileibe nicht vor den Amtsträgern haltmacht; neuere Dokumente beispielsweise der Deutschen Bischofskonferenz bezüglich Evolution werden zitiert, die in schärfstem Gegensatz zu dem traditionellen katholischen Glauben stehen.
Ein Unterkapitel über Teilhard de Chardin rundet den theologischen Abschnitt ab und weist nach, daß dieser Jesuitenpater, der bis zu seinem Tode 1955 von der damals noch intakten kirchlichen Autorität mit Publikationsverbot belegt war (seine Werke wurden posthum herausgegeben), nicht als Vertreter des „Katholizismus“ gelten kann – es stellt sich eher die Frage, ob er überhaupt noch Christ war !
Im theologischen Teil zeigen sich P. Grün’s ganze Fachkompetenz und großer Literaturüberblick am besten, was nicht verwundert, ist er doch in erster Linie Priester und hat die naturwissenschaftlichen Kapitel mehr im Rahmen einer „Notkompetenz“ verfaßt. Ebenfalls ein Vergnügen zu lesen ist der philosophische Essay von P. Weinzierl, der sich auf so bekannte Namen wie Löw und v. Stockhausen stützt und von Herrn Prof. Dr. Hoeres korrekturgelesen wurde, der Lesern von Theologisches ebenfalls bekannt ist.
Katholischen Akademikern ist das Buch alleine schon wegen seiner theologisch-philosophischen Kapitel als „Pflichtlektüre“ zu empfehlen.
Es ist das große Verdienst von P. Grün, all’ dieses Material zusammengetragen zu haben, und den Mut gehabt zu haben, es trotz Unvollkommenheiten zu veröffentlichen, Unvollkommenheiten, deren er sich bewußt ist. Ein grundsätzliches Problem ist das hohe fachliche Niveau des Buches. P. Grün bringt alle wichtigen Argumente zu den einzelnen Bereichen – aus Platzgründen kann er darum nicht allgemeinverständlich sein.
Das Buch hat einige Mängel, der Rezensent hat Mitverantwortung tragen dürfen und sagt hier auch „mea culpa“.
So wird in der historischen Einführung die Stoa unter die „Vorsokratiker“ gerechnet. In der Übersicht über die naturwissenschaftlichen Äußerungen antiker Philosophen, von denen einige bereits evolutionäres Gedankengut vertraten, fehlt die ganz entscheidende Abhandlung des griechischen Generals und Philosophen Xenophon, der berichtet, daß sein Ausbilder Sokrates den Gedanken der „zufälligen“ Entstehung der Lebewesen ganz klar als unsinnig zurückweist9 – vielleicht hat hier die verhängnisvolle Sicht eines Teiles der neueren Altphilologie eine Rolle gespielt, den „xenophontischen“ Sokrates gegenüber dem „platonischen“ in den Hintergrund zu stellen10.
Zu bemängeln ist das Fehlen eines Literaturverzeichnisses, das, bei entsprechender Aufbereitung, katholischen Akademikern zur weiteren Einarbeitung hätte dienen können. Lediglich die im Buch zitierten Autoren sind in einem Namensregister erfaßt, welches nicht frei von Fehlern ist: so wird der den Lesern von Theologisches gut bekannte Bonner Altphilologe und Amateurtheologe11 Hauptmann d.R. Dr. Heinz-Lothar Barth nicht von dem evangelischen Theologen Karl Barth unterschieden.
Eine weitere Schwäche ist das Alter der verwendeten Literatur: die meisten zitierten naturwissenschaftlichen Publikationen sind ein Vierteljahrhundert alt, viele noch älter – und zwar sowohl die zitierten evolutionistischen wie die evolutionskritischen Arbeiten. Neuere Artikel wurden zwar bis einschließlich 1999 berücksichtigt, aber nicht in dem erforderlichen Ausmaß, es fehlen selbst wichtigste kreationistische Arbeiten der letzten Jahre z.B. zur von P. Grün ausführlich behandelten Frage der Altersbestimmungen.
Die größte Schwäche des Buches liegt in der Art der Zitierung evolutionskritisches Literatur. P. Grün gibt in großer Vollständigkeit fachliche Argumente gegen die Evolutionstheorie, die er den gängigen deutschsprachigen kreationistischen Autoren wie Scherer, Junker, Scheven, Pailor, Brandt, Hartwig-Scherer, Vollmert, Kuhn, Thürkauf etc. entnimmt. Deren Arbeiten sind qualitativ hochwertig – aber nichtsdestoweniger in der evolutionistischen Fachwelt alles andere als anerkannt. Es ist darum fachwissenschaftlich unkorrekt und für den nicht-vorgebildeten Leser irreführend, sie neben anerkannten Autoritäten wie Eigen, Lorenz, Eibl-Eibesfeldt oder Topjournals wie Science und Nature in einer Reihe zu zitieren. Mindestens müßte irgendwo im Buch ein entsprechender Hinweis zu finden sein.
Hinzukommen viele kleinere Ungenauigkeiten, schlechte oder gar falsche Begründungen, ungeschickte Zitate ...
Positiv ist der Rezensent froh, daß er eine Reihe von fachlichen Schwächen hat korrigieren können. Als deutschen Patrioten freut es ihn besonders, daß P. Grün auf seine Intervention das Kürzel für die selbstgewählte Bezeichnung des sowjetzonalen Marionettenstaates in Anführungszeichen gesetzt und daß er die Rechtschreibung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verwendet hat.
Die Mängel des Buches sind in Relation zu seinem Wert marginal, seine Lektüre sei jedem katholischen Akademiker, ja jedem allgemein interessierten Katholiken wärmstens empfohlen, der sich mit der vielleicht größten geistigen antichristlichen Macht der Gegenwart befassen will.
Wie soll es weitergehen ? Die aristotelische Feststellung, daß der Mensch ein soziales Lebewesen ist12, bewährt sich auch in der Evolutionskritik: ein Werk einer derartigen fachlichen Spannweite ... kann auf die Dauer nicht von einem Autor alleine verfaßt und aktualisiert werden, schon gar nicht, wenn dieser seine Arbeitskraft hauptsächlich andernorts einzusetzen hat. Es besteht, nach Einschätzung des Autors dieses, das Bedürfnis nach der Begründung einer zur Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ analogen katholischen Organisation, zu der sich katholische Naturwissenschaftler verschiedenster Fachgebiete zusammenfinden, um ihr Fachwissen unter geistlicher Anleitung ihrer Priester in den direkten Dienst Jesu Christi zu stellen. Eine solche Vereinigung müßte zuerst die Ausbildung ihrer eigenen Mitglieder zum Ziele haben, dann die eigentliche fachwissenschaftliche Arbeit der Wiederlegung und Ersetzung der Evolutionstheorie (Kritik alleine ist nur ein Teil: noch viel wichtiger –und originär naturwissenschaftliche Aufgabe- ist die Erklärung wissenschaftlicher Fakten z.B. des Fossilbefundes in einem kreationistischen Kontext, eine Herkulesarbeit !) und schließlich einen allgemeinbildenden Vortragsdienst um die Ergebnisse dieser Arbeit in ein größeres Publikum zu tragen.
Die Evolutionstheorie ist zunächst eine naturwissenschaftliche Theorie, die als solche nicht in den Bereich des für Glauben und Sitten eingerichteten Lehramtes fällt. Da jedoch die Kirche die Aufgabe hat, generell für die Wahrheit einzutreten, in welchem Lebensbereich auch immer, da die Evolutionstheorie so schwerwiegende philosophische und theologische Konsequenzen hat und da zudem sich die Feinde der Kirche ihrer bedienen, um die Autorität der katholischen Religion zu schwächen, sollte die Kirche Christi nicht gleichgültig bleiben. Es ist an sich nichts ungewöhnliches, daß kirchliche Institutionen sich mit profanen Fachgebieten befassen. Dies geschieht immer dort, wo philosophische und theologische Grundhaltungen eine große Rolle spielen, so sind etwa seit langem Lehrstühle für Pädagogik, Psychologie und Soziallehre an katholischen Institutionen etabliert. In diesem Rahmen sollte auch die Behandlung der Evolutionstheorie und deren Ersetzung durch Alternativmodelle gesehen werden. Verschärfend kommt hinzu, daß der kirchliche Binnenraum das nach Einschätzung der Autors derzeit einzige existierende Milieu ist, in dem Evolutionskritik überhaupt noch artikuliert werden kann. Äußerungen der aktuellen Inhaber höchster kirchlicher Leitungsämter zugunsten der Evolutionstheorie haben die entsetzliche Folge, dieses letzte noch bestehende Refugium zu verschließen13. Den Gemeinden der katholischen Tradition14 kann eine entscheidende Rolle als ein gesellschaftlicher Rückhalt für Evolutionskritik zukommen.
Kürzlich hat der Generalsekretär der Ordensgemeinschaft, der P. Grün angehört, im Zivilberuf übrigens Arzt, in einem Vortrag, im Rahmen einer Fragen der medizinischen Ethik gewidmeten Tagung des Centre Pie XII. in Paris, an der Autor dieses teilnahm, ausdrücklich die Notwendigkeit der fachlichen Evolutionskritik betont.
Der Autor dieser Zeilen sieht einen Teil seiner persönlichen Arbeit für die katholische Religion in dieser Aufgabe8 und würde sich freuen, Fachkollegen dazu anregen zu können, er wird sich jeder an ihn herangetragenen diesbezüglichen Anfrage eingehendst widmen. Hier bietet sich für das moderne Laienapostolat ein breitestes, auch unmittelbar im Bereich des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen liegendes Wirkungsfeld, lassen sich doch im Rahmen jedes evolutionskritischen Vortrages auch die Fragen nach dem Schöpfer und nach Jesus Christus, dem Ursprung und Ziel menschlichen Lebens thematisieren und können so vielleicht Menschen zu der Erkenntnis Gottes ihres Schöpfers geführt werden.
Johannes Grün, „Schöpfung Ein göttlicher Plan, Die Evolution im Lichte naturwissenschaftlicher Fakten und philosophisch-theologischer Grundlagen, Mit einem philosophischen Essay von Herrmann Weinzierl“, Verax Verlag Müstair/Graubünden Schweiz 2000, 543 Seiten ISBN 3-909065-05-8 DM 39.-
Literaturverzeichnis
1 vgl. z.B. Reinhard Junker, Siegfried Scherer (Herausgeber) "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch", 4. völlig neu bearb. Aufl., Weyel Lehrmittelverlag Gießen 1998, rezensiert von Wolfgang B. Lindemann in Der Fels 7/8 1999, p. 231f (Juli/ August 1999)
2 für diese Argumentationsstruktur vgl. I. Vaticanum, Dei Filius (DS 3009), Katechismus der katholischen Kirche Nr. 156
3 Leo XIII. Enzyklika Providentissimus Deus (1893), Benedict XV. Apostolisches Rundschreiben Spiritus paraclitus (1920), Pius XII. Rundschreiben Divino afflante spiritu vom 30. 9. 1943, vgl. auch die Entscheidungen der Päpstlichen Bibelkommission vom Beginn des 20. Jahrhundertes
4 Überlegungen, die Berichte der Bibel über die Sintflut als lediglich lokale Überschwemmung zu werten, vergewaltigen den Inhalt und Aussageabsicht des biblischen Textes
5 Wolfgang B. Lindemann, Warum wir krank werden. Die Antworten der Evolutionsmedizin (Rezension), Studium Integrale Journal 7 (2000), p. 46-48 (April 2000); Wolfgang B. Lindemann, Ist eine Humanbiologie ohne Krankheit vorstellbar ? Überlegungen anhand eines Buches über „Evolutionsmedizin“, Tagungsband der 16. Fachtagung für Biologie der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, 12.-14. März 1999, p. 43-44; Wolfgang B. Lindemann, Evolutionäre Psychologie und Psychiatrie, Tagungsband der 17. Fachtagung für Biologie der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, 17.-19. März 2000, p.45-49
6 Katechismus der Katholischen Kirche, Vatikan 1993, Nr. 374-379
7 Katholischer Erwachsenenkatechismus, Das Glaubensbekenntnis der Kirche, herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz, Köln u.a. 3 1985, p. 402
8 vgl. Wolfgang B. Lindemann, Ist die Evolutionstheorie gleichgültig für die katholische Religion ?, Theologisches, Jahrgang 30 Nr. 5/6, p. 175-186
9 Xenophon, Erinnerungen an Sokrates, I, 4, 4-7, 4. Jahrhundert vor Christus
10 vgl. Übersicht bei Sarah B. Pomeroy, Xenophon Oeconomicus, A social and historical commentary, Oxford University Press Inc New York /USA 1995, p. 21-30
11 amateur hier im Sinne der ursprgl. Wortbedeutung „Liebhaber“, nicht im Sinne von „wenig kompetent“
12 Aristoteles, Nikomachische Ethik 1169b („Der Mensch ist ein soziales Lebewesen und zum Zusammenleben geschaffen“
13 Erklärung Papst Johannes Paul II. vor den Mitgliedern der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften am 23. 10. 1996
14 Für eine unvollständige Übersicht siehe die jeweils aktuelle Ausgabe von Pro Missa Tridentina, Rundbrief der Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der katholischen Kirche e.V. oder, im weltweiten Rahmen, "Ordo ou calendrier liturgique, avec un repertoire de lieux de culte traditionel", zu beziehen bei Monastère St. Francois, Domaine de "Lanorgard", F-29380 Le Trévoux, Preis 65.- FF (jährlich aktualisiert)
C) Homepage von Wolfgang Lindemann aus Hamburg
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