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“Schichtwechsel” in der Arztpraxis ... Onkel Hausarzt fährt endlich in den ersehnten Jahresurlaub, Vetter Vertreter kommt an. Wie auf Station auch wird Übergabe gemacht. Dabei geht es um medizinisches ... aber, nach meiner Erfahrung, nur zum kleinsten Teil - vielleicht 5% der Übergabezeit. Patienten, die dem niedergelassenen Kollegen akute Probleme bereiten -z.B. eine unklare Infektion mit grenzwertiger Indikation zur Krankenhauseinweisung oder ein ausstehendes Laborresultat mit gravierenden Folgen für den Patienten- sind mir nur sehr selten ans Herz gelegt worden. Wahrscheinlich deswegen, da einmal die akuten, schweren Erkrankungen in der Allgemeinmedizin ohnehin selten sind, und zum anderen, weil in den Tagen vor dem Urlaub soviel wie möglich “gelöst” bzw. auf nach den Urlaub verschoben wurde.
Was bleibt, ist die Einführung in die neue Praxis, sofern ich nicht schon einmal dort vertreten habe. Und das ist keine Kleinigkeit. Ich habe etwa 1 bis 1 1/2 Stunden Zeit um zu erfahren, wie der Computer und das Praxisprogramm funktioniert (das ist meist das schwierigste), wo was aufbewahrt wird, welcher Schlüssel was öffnet und so weiter und so fort.
Damit ich nichts vergesse -aus Schaden wird man klug !- habe ich mir eine eigene Checkliste erstellt, die ich Ihnen hier direkt aus der Praxis für die Praxis wiedergebe:
In einer fremden Praxis erfrage ich:
Die Öffnungszeiten - der Einfachheit halber bitte ich um ein Rezept, da stehen die im allgemeinen vollständig ‘drauf, zusammen mit Telephon, Fax und eMail der Praxis.
Der Computer: welche Passworte sind für welche Praxisprogramme vergeben, wie werden diese bedient? Wo wird das Druckerpapier aufbewahrt? Kommen die Laborresultate per Rechner? Wie funktioniert die Teletransmission, sofern die Praxis an sie angeschlossen ist ? Wo wird die “Carte Vitale” eingelesen (die französische Krankenversicherunskarte)? Für das Privatleben: darf ich mit dem Praxiszugang ins Internet gehen? (Die Antwort ist immer “ja”, ich frage aus Höflichkeit).
Die Kasse: gibt es Wechselgeld “vor Ort”? Welchen Code hat das Lesegerät für die Carte Bleue, so vorhanden (die meistgebrauchte französische Creditkarte)? Welches Bankkonto hat die Praxis wo (bei längeren Vertretungen bringe ich ganz gerne einen Teil der Einnahmen schon mal auf die Bank).
Die Verwaltung: Wie funktioniert der Anrufbeantworter? (Das ist alles andere als trivial - wenn irgend möglich lasse ich mir eine Bedienungsanleitung geben). Wo sind die Reserve-Formulare gelagert: Ordonnances simples (mit Durchschlag) et sécurisées, ALD et ALD sécurisées, feuilles de soins, arrêts de travail, accidents de travail, bons de transport, certificats de décès. Wo sind alte Patientenakten? Name und Telefonnummer Putzfrau (oder anderer Schlüsselinhaber) Telefonnummer des Praxisinhabers während des Urlaub. Wo sind die Karten der Umgebung, so detailliert wie möglich (mit sämtlichen “lieux-dits”) sowie die Dorfpläne der umliegenden Ortschaften?
Die Dienste: an welchen Wochentagen und welchen Wochenenden habe ich Dienst?
Das Labor: Wer macht Blutabnahmen (die Praxis oder auch eine lokale Krankenschwester), wann und wo werden die Blutproben etc. abgeholt und von wem ? Wo ist das Material (Röhrchen, Nadeln etc.)?
Das Material: Wo steht das EKG-Gerät? Wo sind Otoskop und Ohrtrichter, unsterile Handschuhe, Babywaage, Personenwaage, Maßband? (Das sind die wichtigsten benötigten Utensilien)
“Petite chirurgie”: Wo sind Tupfer, Desinfektionsmittel, sterile Handschuhe, Xylocain, Skalpell und Fäden, Zangen ?
Das Wohnhaus: Darf ich das Essen aus dem Kühl- und Eisschrank nehmen? Wo schlafe ich? Wo ist ein zweiter Schlüssel hinterlassen (Name und Telefonnummer - trage ich dann immer mit mir falls mir die Tür ins Schloss fällt)?
Ich übernehme folgende Formulare in meine Arzttasche
... und noch einmal in größerer Menge ins Auto:
-ordonnances normales (mit Durchschlag) und (wenige) sécurisées
-ordonnances ALD mit Stempel des niedergelassenen Kollegen
-feuilles de soins
-arrêt de travail mit Stempel
-bons de transport mit Stempel
-accident de travail mit Stempel
-certificat de décès mit Stempel (wenige)
Das ganze klingt sehr umfangreich - aber glauben Sie mir, hier ist kein Punkt überflüssig.
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