Ik-Nachrichten Pro Sancta Ecclesia 6/01

Straßburger Erzbischof verbietet Klerus freie Teilnahme an Tridentinischer Messe

IK-Nachrichten Pro Sancta Ecclesia, 6/2001, p. 5

Straßburg, alte deutsche Reichsstadt, Hauptstadt des Elsaß, noch heute eine der katholischsten Regionen Frankreichs (15% Praktizierung), reich an Priesterberufungen für den klassischen römischen Messritus – in den letzten 2 Jahrzehnten fast ein Dutzend. In der Stadt Straßburg wird seit 1991 mit Genehmigung, ja Förderung des damaligen Bischofs Msgr. Brandt täglich die Heilige Messe im klassischen römischen Messritus gefeiert. Träger der Zelebration sind 2 Priester, die ursprünglich der Priesterbruderschaft St. Petrus angehörten und nach einigen Jahren in der Diözese inkardiniert wurden. Sie betreuen eine Personalgemeinde in Straßburg, die neben der täglichen Messe alle üblichen Gemeindeaktivitäten (Katechese, Jugend- und Junge-Erwachsenegruppen, Erwachsenenbildung, Pfadfinder, Einkehrtage, Wallfahrten u.a.) umfaßt, sowie eine ebensolche Gemeinde (Messe zweimal wöchentlich) in Colmar, Sonntagsmeßbesuch etwa 200 bzw. 150 Personen. Der seit 1998 amtierende neue Straßburger Erzbischof Msgr. Doré hat nach einem Pastoralbesuch die kanonische Existenz dieser Gemeinde definitiv anerkannt ... und dabei seinem eigenen Klerus einige unangenehme Auflagen gemacht:  Diakone und Priester der Diözese Straßburg dürfen nur mit seiner ausdrücklichen, vorher zu erteilenden  Genehmigung an Messfeiern im klassischen römischen Messritus teilnehmen – wohlgemerkt, es geht um die Teilnahme in den Reihen der Gläubigen, nicht um die Erlaubnis, selber im klassischen Ritus zu zelebrieren. Für Seminaristen gilt eine ähnliche seminarinterne Bestimmung. Die Gemeindeglieder werden im selben Pastoralbrief wiederholt zur Treue gegenüber dem „Geist des Konzils“ gemahnt. Der Besuch von ökumenischen Gottesdiensten oder den zahlreichen, nur noch dem Namen nach „katholischen“ Gottesdiensten in der Diözese oder der Bußandachten mit sakramentaler Lossprechung (von Msgr. Doré gleich in seinem ersten Fastenhirtenbrief 1998 außerordentlich gelobt) ist dagegen jedem freigestellt und die Seminaristen werden gezwungen, sich an der Straßburger theologischen Fakultät von Häretikern ausbilden zu lassen - hat der Erzbischof den „Geist des Konzils“ besser verstanden als viele konservative Katholiken, die nicht sehen wollen, womit alles begann ? Hintergrund dieser Bestimmung dürfte sein, daß mehrere junge Diözesanpriester während ihrer Seminarausbildung durch diese Gemeinde ihre geistliche Heimat in der katholischen Tradition gefunden haben und lieber heute als morgen zum klassischen Messritus zurückkehren würden. Es verwundert nicht, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X., die im Elsaß fünf Gemeinden und zwei Gymnasien besitzt, sich fragt, was sie durch ein Abkommen mit Rom eigentlich gewinnen würde.

C) Homepage von Wolfgang Lindemann aus Hamburg

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