Ein pensionierter Pfarrer hat mich in einer Leserzuschrift um eine Bezugsquelle für den auch heute noch besten katholischen Kommentar zu den Sonn- und Festtagslesungen gebeten:

Natürlich antworte ich ihm gerne und um Gotteslohn; da ich in der Antwort wichtige allgemeine Ziele und Grundsätze anspreche, reproduziere ich sie hier:

Samstag, 2. Oktober 2004
Saints Anges Gardiens

Hochwürdiger Herr Pfarrer A      ,

vielen herzlichen Dank für Ihren freundlichen Brief vom 24. 9. 2004. Es freut mich sehr, daß Sie meine Rezension "fachkundig" finden, denn ich bin mir wohl bewußt, in der Exegese bestenfalls ein Amateur zu sein. Hauptsächlich interessiere ich mich für die Kritik der Evolutionstheo- rie/Kreationismus sowie Fragen der Pastoralmedizin/ Pastoraltheologie, wozu übrigens im Winter ein längerer Artikel in "Theologisches" erscheinen dürfte, beide Gebiete überlappen sich mit meiner beruflichen Fachausbildung.

Sie sind übrigens gut informiert, daß Sie Nantes in der Bretagne ansiedeln (Bemerkung: in der Adresse auf dem Umschlag hieß es “Nantes Bretagne”); es ist in der Tat der Sitz der Herzöge  der Bretagne und deren beeindruckender Burg im Stadtzentrum, auch wenn es Leute gibt, die die Bretagne weiter nördlich beginnen lassen wollen und Rennes zur Hauptstadt der Bretagne erklären ... Leider gehört Nantes nicht zu der französischen Verwaltungsregion "Bretagne", die in den 80-Jahren geschaffen wurde, aber die Regionaleinteilung folgte in erster Linie wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die Regionen sollten "finanzkräftig" sein.

Sehr gerne gebe ich Ihnen Auskünfte über die Bezugsquelle der "Christkatholischen Handpostille" von Gossiné (wie es in der Tat heißen muß, ich habe es nun auch auf meiner Homepage, wo eine erweiterte Version der Rezension unter "Aktuell" einsehbar ist, geändert: im ursprünglichen Text hatte ich gezögert, weil die Rechtschreibung mit Akzent aus sehr alter Zeit stammt und ich nicht sicher war, ob sie noch gilt); offenbar kennen Sie das Werk; dann wissen Sie natürlich auch, daß es der Leseordnung des klassischen römischen Meßriturs folgt, was für mich persönlich ein Vorteil ist, da ich seit 8 Jahren zu diesem Ritus zurückgefunden habe, der abgeschafft wurde, als ich gerade geboren war.
In der heutigen Zeit des Internets sind eine große Anzahl Antiquariate in einem Online-Verbund zusammengeschlossen: auf www.zvab.com können Sie das vereinigte Angebot dieser Antiquariate einsehen und direkt online bestellen. Ich habe das schon mehrfach getan und es funktioniert ohne Probleme. Das Buch von Gossiné habe ich allerdings 1998 bei einem Bouquinisten in Straßburg, wo ich bis 2002 gelebt habe, erworben.

Falls Sie einen Neffen oder ein Gemeindemitglied haben, das "online" ist –oder sich selber in ein sogenanntes "Internet-Café" begeben-  können Sie über das Internet bestellen, es ist ganz leicht.
Zur Sicherheit habe ich Ihnen die Eingangseite von www.zvab.com ausgedruckt beigelegt sowie die dort gefundenen derzeit zwei Antiquariate, die dieses Buch vorrätig haben, mit Adresse und Telephonnummer, so daß Sie auch bei diesen auf herkömmliche Weise bestellen können.

Aber selbstverständlich gebe ich Ihnen diese Auskünfte gerne und "um Gotteslohn", wenn Sie so wollen. In separatem Brief sende ich die Unkostenerstattung zusammen mit drei anderen Buchrezensionen zurück ... Wenn Sie mir wirklich einen "Lohn" geben wollen, so predigen Sie den Inhalt der Handpostille. Ich vermute, daß Sie auch noch als Ruheständler gelegentlich auf der Kanzel stehen. Und ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie zu den entsprechenden Evangelientexten unverkürzt und vollständig die jeweiligen Kommentare von Gossiné predigen würden. Ich sehe die Kirchenkrise ja aus der Perspektive des Laien und weiß, wie immens schwierig es ist, Predigten zu hören, die einfach nur normal katholisch sind –gemessen am Maßstab des Lehramtes aller Zeiten, der Heiligen und der Kirchenlehrer, besonders Thomas' von Aquin's – aber in der heutigen Zeit sofort als extremes Außenseitertum wahrgenommen werden. In der katholischen Tradition ist dieses –wie so viele andere- Problem für mich gelöst, aber die meisten Gläubigen haben nicht dieses Glück. Und gerade wir Laien sind naturgemäß fast nur in –heute- heidnischer Umgebung, bis auf die 2 Stunden am Sonntag und, nach Möglichkeit maximal ein oder zwei Stunden ein- oder zweimal pro Woche (Werktagsmesse u.ä., nur wenige können wirklich täglich zur Messe gehen). Wenn dann diese beiden Stunden am Sonntag –die oft die einzige mündliche Belehrung beinhalten, die wir in einer ganzen Woche erhalten- für den Glauben "ausfallen", weil der Prediger eben "angepaßt" –häretisch- ist, ist das für uns viel tödlicher als es sich viele Priester vorstellen können, jedenfalls für die von uns, die katholisch sein und bleiben wollen.

Ich habe erst durch die Kommentare von Gossiné –und die der französischen Bibeln, die inhaltlich ähnlich –eben katholisch- sind- die Bibel eigentlich zu verstehen begonnen. Gossiné ist lediglich etwas "energisch" in der Sprache, man könnte es auch "aggressiv" nennen, aber angesichts der Realität der Sünde ist das sicher verständlich und vertretbar, auch wenn ich mich wohl "zahmer" ausdrücken würde. Aber ich arbeite derzeit als Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, und was ich da an moralischem Elend, Perversion und himmelschreiender Sünde  (betreffend die Eltern der Kinder, die zu uns in Behandlung kommen), können Sie sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen – vielleicht doch, nach langer priesterlicher Erfahrung; ich jedenfalls konnte es mir nicht vorstellen. Der Hl. Pfarrer von Ars hat einmal gesagt "man lasse eine Pfarrei 10 Jahre ohne Hirten, und man wird dort Götzen anbeten". Und das stimmt, und das schlimmste ist, daß die Hirten heute nicht mehr die katholische Lehre predigen. Darum meine dringende Bitte, predigen Sie den Inhalt der "Christkatholischen  Handpostille", ohne Abstriche, Anpassungen, Auslassungen Neuinterpretierungen. Auch wenn es in der heutigen Zeit der Allerlösungslehre übel aufstößt. Und, selbstverständlich, machen Sie das Buch von H.H.P. Gaudron möglichst vielen Menschen zugänglich, sofern Sie können.

Jedenfalls danke ich Ihnen nochmals für Ihren freundlichen Brief und bitte um Ihren priesterlichen Segen,

Laudetur Jesus Christus.

C) Homepage von Wolfgang Lindemann aus Hamburg

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